Kreative Gedanken

Ein paar persönlich eingefärbte Gedanken über den Wert von Handarbeit

Auftragstee

Meinen samstäglichen Tee nehme ich in den Pausen ein, die ich einlege, während ich an meiner allerersten Auftragsarbeit häkele. Dabei denke ich viel über den Wert von Handarbeit nach, denn ich bin angefragt worden, ob ich für ein Kindermode-Shooting drei Häkelkreaturen fertigen könnte. Die vorgestellte Idee hat mich so sehr begeistert, dass ich einwilligte. Und dann sollte ich einen Preis für meine Arbeit nennen…

… Meine Tiere werden wesentlich teurer als alle, die bei Etsy und DaWanda zu haben sind. Ich frage mich wirklich, wie die Preisgestaltung dort zusammenkommt. Die Entlohnung kann nicht mal ansatzweise fair sein. Jedes meiner Tiere wird auch teurer als jedes andere maschinell hergestellte Tier in den Spielzeuggeschäften. (Den kapitalismuskritischen Ausflug lasse ich jetzt mal weg, ich gehe davon aus, dass ihr wisst, dass die billigen Plüschtiere aus China und ähnlichen Ländern kommen – und dass euch die katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Fabriken dort bekannt sind.) Was bedeutet: Arbeitszeit ist je nach Art der Arbeit unterm Strich nicht das Gleiche wert. Handarbeit ist nicht das Gleiche wert. (Und ich arbeite normalerweise nicht als Gehirnchirurgin, denn in dem Fall könnte ich das ja alles verstehen…)

Deshalb häkel, nähe usw. ich normalerweise nicht für andere, obwohl ich leidenschaftlich gerne Kuscheltiere anfertige. Weil sie dieses “Besondere” aufweisen. Diese einzigartige unperfekte Ausstrahlung. Und weil ihnen ein Gefühl von Lieben und Geliebtwerden anhaftet.

Einhornclose

Wenn ich Handarbeiten verschenke, dann nur noch an Menschen, die selber handarbeiten und die Arbeit, die in meinen Sachen steckt, wertschätzen können.

Fünf Jahre ist es nämlich her, da habe in der Nacht vor Weihnachten meinem Kind völlig übermüdet ein Einhorn aus Bio-Plüsch genäht (mein allererstes selbstgefertigtes Spielzeug), weil ich mich mit den synthetischen Glitzerwerken in der Spielzeugabteilung des Kaufhauses nicht anfreunden konnte. Es hat etliche Stunden und Nerven gekostet, aber am Ende war ich sehr stolz auf mein selbstgemachtes Werk, so fehlerhaft es auch war. Doch als das Kind das Tier auspackte, zeigte es sich bitter enttäuscht, dass der Weihnachtsmann kein Prinzessin-Plastik-Fantastik-Einhorn gebracht hatte. Und ich fragte mich, warum ich mir diese ganze Arbeit angetan hatte?!

Einhornstoff

Seitdem hat sich einiges geändert. Meine Kinder haben zwar etliche in China usw. hergestellte Plüschtiere, aber sie schätzen meine Tiere mittlerweile sehr. Weil sie selber Tiere anfertigen (die unten abgebildeten Hasen sind gestern von meiner Tochter und ihrer Freundin in stundenlanger konzentrierter Handarbeit genäht worden), wissen sie um die Zeit und Liebe, die in diesen Wesen steckt.

Hasenbande

So wenig begeistert das Einhorn am Anfang aufgenommen wurde, längst hat es im Gegensatz zu vielen gekauften Plüschkreaturen einen festen Platz im Lieblingszoo. Vor allem die Einzigartigkeit der handgearbeiteten Tiere ist es, die besonders geliebt wird…

Unlängst (in Edinburgh) stolperte ich über ein Spielzeuggeschäft mit dem vielsagenden Namen “Build-A-Bear” – Bau dir einen Bären zusammen. Ich merkte auf. Konnte man sich da selber einen Bären nähen? Es war wohl mehr so, dass der Werbeslogan dem Kunden einen Bären aufgebunden hat.

Auswahl

Selbstgemacht war nichts. Der Kunde konnte aus mehreren maschinell hergestellten Plüschtierhüllen wählen, die dann von einer Verkäuferin gefüllt und zugenäht wurden. Tatsächlich mit der Hand. Mit einer Naht am Rücken. Das “Kreative”, das dem Kunden blieb, war die Wahl zwischen etlichem Schnickschnack, mit dem das Tier ausgestattet werden konnte.

handgemacht

Ich empfand das als Verarschung. Dann fiel mein Blick auf die Kasse. Dort stand eine lange Schlange glücklich lächelnder Erwachsener. Das Bedürfnis, dem Kind etwas Besonderes, etwas Einzigartiges zu schenken, scheint doch ausgesprochen groß zu sein (- wobei diese Synthetik-Varianten im Gegensatz zum selbstgenähten Einhorn vermutlich die Begeisterung des Kindes garantieren.)

Allessobunthier

Trotzdem würde ich mir wünschen, die Menschen hätten ihrem Kind stattdessen eine Sockenpuppe gebastelt. Oder mit dem Kind zusammen ein Tier genäht… Krumm und schief und mit Sicherheit einmalig… Weil jede selbstgetätigte Handarbeit, egal welcher Art, die Augen für die Wertschätzung von Handarbeit im Allgemeinen öffnet. Und weil (Achtung, Kapitalismuskritik light!) sie den Blick dafür schärft, unter welchen Bedingungen wir konsumieren & dass am Ende für all die billigen Dinge des Überflusses, mit denen wir uns umgeben, Irgendjemand draufzahlen muss.

Piratenbande

Dass wir mit dem, was wir so konsumieren, nachhaltiger umgehen, wenn wir es selber gemacht haben, hat mir soeben mein Sohn bewiesen. Nur mit Mühe und Not konnte ich ihm zu meinem (allerletzten in dieser Art – DANKE für die bisherigen Kaffees und Tees, liebe Ninja) Samstagstee bei Ninjasieben zwei seiner selbstgebackenen und handgeformten Piratenkekse abschwatzen… (“Nicht so viiiiiele, Mama, da hab ich mir solche Mühe mit gegeben….!”)

 

41 Comments

  1. Ich kann dem wirklich nichts hinzufügen. Den Preis für selbst gemachtes festzulegen, unmöglich. Fällt mir extra schwer.
    Strickende Grüße
    Andrea

    • Mila says

      Ja, denn ich glaube, es zwingt uns dazu, unseren persönlichen Herzblut-Blick auf das, was wir gefertigt haben, zu verlassen und es nach marktwirtschaftlichen Kritierien zu betrachten. Strick mal schön!

  2. Ein sehr berührender Post, liebe Mila. Ich kann zwar nicht nähen, aber ich habe durchaus das eine oder andere mit der Hand selbstgemacht und weiß Handarbeit deshalb sehr zu schätzen. Meine Töchter haben sich (mit Hilfe der Oma) ihre Lieblingsstofftiere selbst genäht und auch sie wissen mittlerweile Handarbeit zu schätzen. Was in den Spielzeugläden alles so angeboten wird, ist gruselig und trägt auch nicht dazu bei, dass Müllberge endlich mal kleiner werden, denn schnell wird das Spielzeug wieder entsorgt ( oder geht kaputt )….weil Kinder nicht wirklich eine Beziehung zu diesem ganzen Pastikkram made in China aufbauen. Dir ein schönes Wochenende! LG Lotta.

    • Mila says

      Allein das Haptische an dem Spielzeug. Fasst man ein Plastik-Spielzeug an, ist das ein völlig anderes Erlebnis, als wenn man eines aus einem hochwertigen Material berührt – bei Kuscheltieren ja nicht ganz unerheblich. Aber es brauch eben auch die Erfahrung des Unterschieds, um die guten Materialien schätzen zu können…

  3. Oja, der Wert der eigenen Arbeit – vor allem im kreativen Bereich finde ich das gerade auf Dawanda und Etsy jenseits der investierten Zeit – geschweige denn von Material und Idee. Deshalb fertige ich auch nur Dinge für mich und liebe Freunde und Familienmitglieder. Mir ist auch wichtig, dass mein Werkeln geschätzt wird und Freude bereitet. Ich kann dich da also sehr gut verstehen und ein Hoch auf die tollen Kekse deines Sohnes! Die sehen yummy aus!
    LG. Susanne

    • Mila says

      Sie waren auch lecker. Aber ich habe keinen dritten gekriegt…

  4. Liebe Mila, erstens: herzlichen Glückwunsch zum Auftrag und viele weitere wünsche ich!! zweitens: ich stimme zu! in allen Punkten! Handarbeit ist schlecht bis wenig realistisch bezahlt oder gewertschätzt! Das war aber leider immer schon so – seit es maschinell verbilligte Produkte gibt! Ich wünsche dir ein ganz wundervolles Wochenende :) herzliche Grüße
    Denise

    • Mila says

      Es ist ja nicht immer gleich schlecht, etwas maschinell hergestelltes zu haben/ kaufen, das will ich gar nicht damit sagen. Und wenn die Menschen in China fair bezahlt werden würden, hätte ich auch nichts dagegen, Waren daher zu kaufen. (Tue ich ja auch so zugegebenermaßen oft genug/ zu oft.) Dir auch ein tolles Wochenende…

  5. Ohja, liebe Mila. Ein schwieriges Thema. Ich weiß aber ganz genau, was Du meinst. Ich handarbeite (also das, was ich privat Zuhause in meiner Freizeit mache) generell nur für mich oder für Menschen, die ich besonders mag bzw. für die, die meine Handarbeit zu schätzen wissen.
    Beruflich ist es oft sehr schwierig. Handwerk ist halt teurer als das, was man an fertigen Möbeln in großen Möbelhäusern kaufen kann… Wie oft höre: Ach nein, das lohnt nicht, dann kaufe ich für das Geld lieber neu… oder: Ach dann gehe ich lieber zum Baummarkt :-(

    Einen schönen Samstag wünsche ich Dir!

    • Mila says

      Es ist ausgesprochen schade, dass es heute kaum noch möglich ist, von Handarbeit leben zu können. Und den Satz “Dann kaufe ich für das Geld lieber neu” kann auch nur Jemand aussprechen, der sich wirklich so überhaupt keine Gedanken darüber macht, wieso die Möbel bei Ikea usw so billig sind & wie sie gefertigt werden, bzw. wo und unter welchen Umständen. (Ich habe übrigens noch immer deine Geschichte von dem verschenkten Hemd im Kopf… Die hat ja auch was mit der Wertschätzung bzw. der Nicht-Wertschätzung zu tun.)

  6. Dein Einhorn gefällt mir! Eine zeitlang habe ich für andere Goblins gestickt. Auch damals schon, musste ich aufpassen, dass ich “unter Wert” meine Arbeit anbot.
    Bei Kindern steht halt auch immer der Vergleich, was haben die Schulkollegen, im Vordergrund. Man will ja mithalten. Ja nicht auffallen.
    Ich wünsche dir viel Erfolg!
    lg Gabriele

    • Mila says

      Liebe Gabriele, ich wollte dir einen Kommentar hinterlassen, da ich mich auf dieselbe Serie wie du freue, aber leider geht das nicht, weil ich mit meinem selbstgehosteten WordPress-Blog nur mit url (oder anonym) posten kann.

  7. Ein dusteres Kapitel! Mir fällt es generell schwer, meine Leistung zu verkaufen ( kein Wunder, dass ich auf Dauer als Beamtin ausgeharrt habe, obwohl ich es nicht mochte ), und bei Selbstgemachtem kann ich es schon gar nicht. Deshalb tausche ich, wenn ich nicht verschenke: So habe ich mit der Nachbarin eine große farbige Zeichnung gegen die rosa “Elodie” dieser Woche getauscht. Da fühle ich mich richtig “wertgeschätzt”.
    Andere Offerten habe ich in dieser Woche abgesagt, weil ich einfach nicht den Stress haben will, eine adäquate Forderung zu stellen. Außerdem liebe ich meine Freiheit in puncto Handarbeit über alles ( zeitlich meine ich ), denn ich schmeiße Pläne gerne durcheinander. Und bei Aufträgen hass ich Headlines…
    Ich wünsche dir, dass du trotzdem irgendwas Positives aus dieser Sache für dich persönlich herausholst.
    Beau week-end!
    Astrid
    P.S. Mein schönstes Tier als Kind war meine selbst gestrickte Katze, ganz aus rechten Maschen bestehend, etwas löchrig, mit alten Nylonstrümpfen gefüllt…

      • Mila says

        Tauschen ist natürlich eine gute Idee. Ja, Deadlines sind nicht so richtig entspannend bei Handarbeit, das darf ich auch gerade feststellen. Momentan macht es mir großen Spaß, aber ich sehe mich jetzt nicht in der Fließband-Produktion.
        Deine Katze hätte ich gerne gesehen. Sie klingt großartig…

  8. nina says

    Ich stimme dir in allen Punkten zu!! Aus diesem Grund verkaufe ich schon lange nichts selbstgemachtes mehr, sondern verschenke es nur noch, und zwar auch nur dann, wenn ich wirklich mag und nicht, wenn ich “soll”, an Weihnachten zB. Wenn die Kinder sagen, Mama nähSt du mir… , sage ich: komm, ich zeig dir, wie’s geht.
    Alles liebe! Nina

    • Mila says

      Das sollten wir uns GROSS aufschreiben: “Komm, ich zeig dir, wie’s geht.” Eigentlich der beste Satz überhaupt. Nicht nur in Bezug auf Kinder.

  9. wie recht du hast- ich merke das besonders auf märkten, wenn die leute noch handeln und so günstig wie möglich kaufen möchten. dass sie für z.b. 8 euro ein unikat in händen halten, ist den meisten gar nicht bewusst.
    toll, dass deine kinder auf spielerische art und weise diese wertschätzung von selbstgemachtem kennenlernen dürfen :-)
    lg und ein wunderbares wochenende
    anja

  10. Hallo Mila,
    da wirfst du eine große Frage auf! Ich habe mir mal erlaubt bei mir in schriftlicher Form weiter darüber nachzudenken.
    Da haben deine Kinder und du ja tolle Sachen gewerkelt! Das Einhorn gefällt mir ausgesprochen gut. Etwas in der Art wünschen sich die Rüben auch noch. Ein flauschiges, weißes Einhorn und einen Haflinger. Hast du den Schnitt selbst entworfen oder kann ich den irgendwo kaufen?
    Diese Bären habe ich auch schon mit Schaudern gesehen. Meine Kleine hätte da gerne auch ein Plüschi gemacht, aber sobald sie sah wie es wirklich funktioniert hat es sie nicht mehr so richtig interessiert. Sie ist inzwischen auch auf den Geschmack des echten Unikats gekommen.
    Liebe Grüße und schönes Wochenende
    Jennifer

    • Mila says

      Ich arbeite eigentlich immer ohne Vorlage – nur mit einer ungefähren Vorstellung im Kopf. Also kein Einhorn-Schnittmuster (was man aus der Nähe betrachtet auch gut sehen kann, krumm und schief eben…). Die Maschine in dem Laden zu sehen, in der die Füllung hin- und hergewirbelt wurde – und dann dieses Stopfen mit dem Plastikzeug, das fand ich auch eher abturnend…

  11. Ja, ja und ja! (Und dein Sohn hat fantastisch aussehende Kekse geschaffen! :) )

    Mein liebstes Stofftier als Kind war ein Nilpferd(kissen), das meine Mutter an einem Handarbeitsabend des Kindergartens genäht hatte. Mein Schwester hatte ein ähnliches Model und wir beide haben diese Stofftiere sehr lange in Ehren gehalten. Mithalten konnte da nur der Teddybär, den ich zur Geburt bekommen habe. Trotzdem hat mich als Kind natürlich das Angebot in Spielzeugläden gereizt, auch wenn ich genau wusste, dass ich mit einer Barbie zum Beispiel nicht lange was anfangen konnte …

    Auftragsarbeiten – bei mir in der Regel gestrickte Socken – verkaufe ich nicht, sondern lasse sie mir in Bücher aufwiegen. Normalerweise fragen mich vor allem Freunde, ob ich für sie stricke (manchmal auch mehr oder weniger Fremde, die mich mit meinem Strickzeug irgendwo sehen) und da fühle ich mich inzwischen am Wohlsten, wenn ich sie die Wolle selber besorgen lasse (mit Anweisung, was im Handarbeitsladen zu fragen ist) und als “Lohn” auf meinen gut gefüllten Wunschzettel verweise. So habe ich regelmäßigen Wollnachschub, um meine Hände zu beschäftigen, mein Wunschzettel wird ab und an geleert und derjenige, der die Socken bekommt, kann selber entscheiden wie viel oder wenig er gerade dafür geben kann.

    • Mila says

      Ich denke, dass es für viele Leute sehr erhellend sein kann, im Wollladen zu erfahren, wie viel reine, gute oder gar Bio-Wolle kostet. Und eine Entlohnung in Büchern ist in meinen Augen definitiv nicht die schlechteste aller.
      Natürlich reizt Kinder die Spielzeug-Flut. Da habe ich auch vollstes Verständnis für, aber ich rege trotzdem immer an, darüber nachzudenken, wie und wo und womit die Sachen hergestellt wurden. Manchen Konsum-Wunsch haben die Kinder nach so einem Gespräch selbst korrigiert. Und wenn sie auf den größten Plastik-Schnickschnack nicht verzichten können, dann ist das eben so.

  12. Deine Gedanken kann ich gut nachvollziehen. Ich habe vor einiger Zeit für ihr Kind mal eine Puppe nach Waldi-Art genäht. Aber es stellte sich leider heraus, dass Eltern wie Kind ziehen Plastikpuppen aus dem Laden vorziehen. C’est la vie…
    Grüßle
    Ursel, die es sehr bedauert, dass diese Samstagskaffeerunde die letzte ihrer Art ist

    • Mila says

      Ja, diese Enttäuschungen kennen wir wohl alle. Und das mit dem Samstagskaffee finde ich ebenfalls ausgesprochen schade…

  13. Liebe Mila,
    deine Gedanken sind sehr persönlich, aber sie sprechen mir ebenfalls sehr aus dem Herzen!!! Genau so ist es! Ich kann dir nur Recht geben! Meine Gemälde werde ich hauptsächlich auch nur noch als Drucke verkaufen, denn die meisten Leute können das wirklich nicht wertschätzen, welche Arbeit drin steckt. Teilweise sitze ich an einem Gemälde über hundert Stunden. Ich meine, du weiß ja wie das ist. Nur das reine Malen. Und dann wollen viele (nicht alle) am besten ein Gemälde geschenkt haben. Ich glaube, man kann Handarbeit wirklich nur schätzen, wenn man es mal selbst versucht hat.
    Malen, basteln und häkeln wir also in diesem Sinne weiter und machen einfach unser Ding!!! Ganz liebe Grüße, Michaela :-)

    • Mila says

      Auf “unser Ding”, liebe Michaela. Das machen wir so!

  14. Wie recht Du hast, liebe Mila! Es ist schon merkwürdig, welche Preis-Leistung-Wertschätzungs-Verhältnisse in unserer heutigen Konsumwelt zu finden sind!! Ein selbstgenähtes Häschen verschwindet in der Spielzeugkiste, während ein C****rath Häschen (natürlich mit Label!!) sichtbar im Kinderwagen platziert wird. Selbsterlebte und enttäuschte Grüße, Nicole (die Dein Einhorn und die genähten Schnuffels voll niedlich findet und gaanz bestimmt ihren Wert zu schätzen weiß.. lächel!!)

    • Mila says

      Das andere Häschen hat halt das Label. Vielleicht ist das auch der Grund, überlege ich gerade, warum so viele Frauen auf Blogs ihre Werke mit eigenen Stofflabeln verzieren. Es würde mich mal interessieren, ob dasselbe Werk mit und ohne Label unterschiedliche Reaktionen hervorruft…

  15. Liebe Mila,
    ich freu mich sehr für Dich über Deinen Auftrag, das ist ja schon eine große Wertschätzung Deiner Phantasie und Fertigkeit! Dein Einhorn ist ein gutes Beispiel dafür.
    Ich finde natürlich auch die Häschen und die Kekse allerliebst und finde es toll, dass Deine Kinder so kreativ sind!
    Ich verkaufe meine Sachen selten und wenn dann sicherlich unter Wert. Selten, da ich eigentlich nichts verkaufe, außer eimal im Jahr auf einem speziellen Weihnachtsmarkt.
    Das kann ich mir nur deshalb leisten weil ich nicht davon leben muss. Ich versuche allenfalls meine Ausgaben zu decken und noch ein wenig für neues Material damit zu “verdienen”
    Meine Sachen mögen meist Leute mit kleinem Budget. Das ist der Grund, warum ich es nicht so “teuer” ansetze. Nähme ich mehr, hätte ich das Gefühl in gewisser Weise elitär zu sein, weil ganz viele meiner Kunden sich die Sachen schlicht nicht mehr leisten könnten und ich eine andere Käuferschicht ansprechen müsste.
    Das geht eben aber natürlich nur dann, wenn man nicht von der Fertigung seiner Sachen leben muss…ich sehe das sozusagen als Luxus.

    Selbst Gemachtes verschenke ich nur, wenn ich ganz sicher bin, dass ich richtig liege. Und dann mit viel Freude und Herzblut.

    Und nachdem ich gerade die Fashion Revolution entdeckt habe beschäftige ich mich auch gerade mit Konsum und Preispolitik, mit den Themen, um die man einfach nicht mehr rum kommt.
    Ich hätte da auch ein kleines Video:
    https://www.youtube.com/watch?v=KfANs2y_frk
    Spannend ist der Gedanke, dass Menschen, wenn sie wissen unter welchen Umständen Dinge aller Art hergestellt werden sie sich auch dagegen entscheiden würden.

    Deshalb ist sich Gedanken machen und informieren ganz wichtig.
    Danke für Deinen Anstoß!

    Viele liebe Grüße,
    Kerstin

    • Mila says

      Ach, Kerstin, herzlichen Dank für den Link. Das 2-Euro-T-Shirt-Experiment ist großartig. Wobei ich einfach mal behaupten würde, dass viele Menschen um die Art der Herstellung wissen und trotzdem kaufen (ich auch noch viel zu oft), einfach aus Bequemlichkeit oder weil es gerade nicht anders geht. Aber ja, doch, Bewusstsein hilft immer weiter und macht die Menschen zumindest für eine Weile sensibler.
      Der Aspekt mit dem “kleinen Budget” ist sicher auch sehr wichtig. Und wenn du für dich selbst klar hast, dass du außer Material nichts dran verdienst, dann ist das völlig in Ordnung. Der ganze Bazaar-Gedanke lebte/ lebt ja davon, dass diejenigen, die es herstellen, ihre Arbeit spenden.
      So, jetzt werde ich mich später durch die Fashion Revolution klicken…

      • Ich kaufe auch (noch) viel zu oft solche Sachen…aber ich weiß oft auch noch keine Alternative…Hess Natur ist für michbei Bekleidung z.B. eben keine Alternative…schwieriges Thema…

  16. Schöner Post. Das mit den selbstgemachten Geschenken finde ich auch schwierig, das Risiko ist doch relativ hoch. Die Angst dass es dann doch nicht so richtig gefällt habe ich schon und das ist ja für Beschenkten und Schenkenden doof. Ansonsten kaufe ich ja fast keine neue Mode, außer Strumpfhosen und Schuhen und so etwas, aber ob ich mich damit richtig oder besser verhalte weiß ich nicht, den Näherinnen in Bangladesh helfe ich damit ja auch nicht. Kompliziertes Thema… Liebe Grüße!

    • Mila says

      Ich fürchte, es gibt innerhalb des derart bestehenden Systems tatsächlich wenig Alternativen. Z.B. kann ich zwar selber nähen und stricken, aber die Wolle und die Stoffe sind ja nicht zwangsweise besser produziert als die Kleidungsstücke. Und früher habe ich Secondhand hochgehalten, bis mir auf einem sogenannten Mädchenflohmarkt klar wurde, dass ich mit meinen Käufen dort den Konsumwahn der Verkäuferinnen unterstütze. Immerhin können wir versuchen Mittelwege zu finden. Besser als nichts…

  17. zuerst mal großes lob deinen kindern (und freundin)! die genähten tiere als auch die piratenkekse sind einfach wunderbar!!
    und du hast wirklich einen wichtigen beitrag geschrieben! man hat heute das gefühl, man muss sich schämen, wenn man für seine handgefertigten dinge (und damit meine ich auch kunst) überhaupt geld nimmt. ich bin z.b. bei meinen schachteln wirklich preiswert und viel verdienen kann ich damit schon gar nicht. aber wenn ich eine davon für 60 bis 80 € verkaufen will, dann ist das einigen doch zu viel. allein die suche nach gegenständen dafür, das lange überlegen, die idee, die vorarbeiten, das zusammenbauen, das anbringen von haken, das einpacken, das verschicken dauert so viele stunden, die gar nicht bezahlt werden können. vom material mal ganz abgesehen!! ich habe deswegen auch so viele verschenkt – an menschen, die – wie du auch sagst – diese arbeiten zu schätzen wissen! und wenn ich nicht selbst so viel freude daran hätte, dann würde ich das schon lange nicht mehr machen.
    liebe grüße von mano

    • Mila says

      Du trifft es auf den Kopf, wenn du von “schämen” sprichst. So fühlte ich mich tatsächlich bei der Preisforderung für die Tiere, die für mich eher im unteren Bereich liegt, die ich aber als wenigstens halbwegs fair empfinde. Ist das nicht absurd? Vor allem würde ich so in meinem Lohnberuf niemals empfinden. Da weiß ich, was meine Arbeit wert ist, und stehe dafür sehr souverän ein. Offenbar habe ich diese Unwertschätzung schon selbst verinnerlicht. Und ja, klar, die Freude ist ein wichtiger Aspekt an der Arbeit. Ohne Frage. Aber ich habe oft genug die Erfahrung gemacht (auch beruflich), dass das, was nichts kostet oder nicht genug kostet, auch nichts wert ist… Grrr… Lassen wir uns aber wenigstens die Freude nicht verderben….

    • Mila says

      Herzlichen Dank für den Link, ich habe deinen Artikel gerne gelesen. Auch wenn ich von einer ganz andere Seite auf den Markt geblickt habe als du, scheinen sich die Beobachtungen ja doch irgendwie zu decken.

Comments are closed.