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40er Jahre Rock, ein bißchen Mode-Geschichte & Schokolikör

40sSource

Zwischenstand beim Lieblingsserien- und Film-Sew-Along. Seit ich gestern fleißig genäht habe, gibt es ein bißchen was zu berichten. Und die ein oder andere hat vielleicht die Diskussion zum Thema “Mode und Politik” verfolgt, zu dem Thema habe ich auch noch was zu sagen.

rock

Erst einmal aber zum Praktischen. Meine ausgedachte Serienfigur Brunhilde (die Schwester von Siegfried und Tristan Farnon aus der Serie “Der Doktor und das liebe Vieh“) wird bald immerhin schon den Rock zum 40er Jahre-Utility-Kostüm (Simplicity 3688, bei mir Rock-Größe 10) tragen können. Dieses Mal war ich ganz professionell, jawoll, und habe aus einem alten Bettlaken ein Probemodell gefertigt. Der Schnitt passt entgegen meiner Erwartungen richtig gut. (Ich weiß nicht, warum ich immer denke, dass das Kleidungsstück zu eng wird, wenn ich die Schnitte ausschneide, das scheint eine Macke von mir zu sein.) Im Moment fällt der Rock aus dem leichten Stoff noch nicht ganz ideal, aber ich bin sehr sicher, dass sich das “Problem” mit dem dickeren Tweed legen wird.

calexico

Da ich ein Probemodell genäht habe, bin ich ziemlich relaxed gewesen. Was aber auch an den Mengen an konsumierten Schokolikör gelegen haben kann und an Calexico, die durchs Haus schallten. Und man höre und staune: Ich freue mich mittlerweile sogar ein wenig, wenn ich durch Fehler dazu lerne.

Nervennahrung

By the way: Was mir beim Nähen nicht ganz klar geworden ist: Der Schnitt, bzw. die Beschreibung gibt keinen Unterrock an. Braucht frau bei einem Tweed-Stoff keinen? Oder soll ich lieber doch ein Futter nähen und es einfach einfügen? (Beim Jackett ist ein Futter angegeben aber beim Rock nicht, es kann also kein Fehler der eigentlich gut erklärten Anleitung sein)…

rockutility

Soooo, der Tweed ist bereits zugeschnitten, jetzt muss ich nur noch den “richtigen” Rock zusammennähen. Wenn das so weiter geht, wird das Kostüm tatsächlich fertig. Danke, Sew-Along-Initiatorinnen! Ohne euch würde ich garantiert nicht so was (für mich) Kompliziertes nähen… Darauf noch ein Schokolikörchen!

Und jetzt noch was zum bereits angekündigten Thema. Fündig hierzu wurde ich ausgerechnet in einem Buch, das ich mir allein der schönen Bilder zwecks Inspiration zulegte: “1940s Fashion. The Definitive Sourcebook“.

Modenschau

Darin wird auf die Funktion von Mode in Kriegszeiten sowohl bei den Alliierten als auch bei den Nationalsozialisten eingegangen. Mode wurde in diesen Jahren vor allem durch ein Umfunktionieren der Textilindustrie zur Uniformherstellung, durch eine kriegsbedingte Knappheit von Materialien, durch den den anderen praktischen Gebrauch von Kleidung und durch das Bedürfnis von Frauen, dem harten Alltag ein wenig zu entfliehen, geprägt. Bemerkenswert ist hierbei, dass in Deutschland nach 1943 so gut wie keine zivilen Kleidungsstücke mehr hergestellt wurden, dass es aber weiterhin (wenige) Modemagazine gab, die Zeichnungen von nicht existierenden Kleidern zeigten.

Die 30er Jahre waren weltweit von dem Pariser Modestil geprägt, etwas, das Hitler strikt ablehnte. Die Pariser Mode gehörte für ihn zur herbeifantasierten “jüdischen Weltverschwörung” unbedingt dazu. Daher galt sie als “undeutsch” und degeneriert. Die Ideologie der Nationalsozialisten hasste den selbstbewussten, schlanken Frauentypus, der nach dem Ersten Weltkrieg von Modeschöpferinnen wie Coco Chanel, Jean Patou und Elsa Schiaparelli eingekleidet wurde. Das Ideal der Nazis war “Gretchen” – blond bezopft, ungeschminkt, mit breiten, gebärfreudigen Hüften, uneitel und in Schwarzwald-Trachten gekleidet. Das Problem war nur, dass selbst die Frauen von hohen Nationalsozialisten, wie beispielsweise Magda Goebbels, mit dieser Mode nichts anfangen konnten.

Weil Frauen in Deutschland weiterhin in jüdischen Geschäften und Mode von jüdischen Designern kauften, wurde die Adefa (Arbeitsgemeinschaft deutsch-arischer Fabrikanten der Bekleidungsindustrie) gegründet. Mitglieder durften sich mit dem Slogan Aus arischer Hand “schmücken”, einher ging dies mit dem Boykott und später der Vernichtung/ Enteignung von jüdischen Geschäften und Fabriken. Berlin wurde zur Gegen-Modehauptstadt aufgebaut. Doch mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges änderte sich alles.

Kleidung bekam man jetzt nur noch über eine Bezugskarte mit Punkten, aber da die meisten Materialien der Textilindustrie und die Arbeitskräfte zur Herstellung von Soldaten-Ausrüstung gebraucht wurden, war selbst die Bezugskarte irgendwann überflüssig. Es gab schlicht keine neu produzierte Kleidung mehr in Deutschland. Deshalb griffen die Nationalsozialisten ab 1941 auf eine neue Quelle für gebrauchte Kleidung zurück: Die polnischen Ghettos und die Vernichtungslager.

In den Ländern der Alliierten sah die Situation ein bißchen anders aus. Zwar wurde in Großbritannien ebenfalls rationiert, 1942 das Utility Scheme zur sparsamen Verwendung von Textilien und Schuhmaterialien ausgerufen und vergleichbare Kleiderkarten eingeführt, aber es wurde noch Kleidung hergestellt, zumal England durch Verbündete wie die USA zumindest noch zum Teil mit Materialien versorgt wurde. (Dazu habe ich ja bereits in dem Post “Was hat das Kostüm mit Politik zu tun?” etwas geschrieben.) Make-up zu tragen war deutlich erwünscht. So warb man mit “For Beauty on Duty” und anderen Slogans. (Einen kurzen Überblick über die Art und Weise wie Frauen dazu angehalten wurden sich aufzurüschen findet ihr hier.) Dafür wurde sogar in den heftigsten Sparjahren ein Minimum an Lippenstift gesichert. So konnten die Frauen teilweise weiterhin ganz patriotisch Victory Red auftragen…

Schminke

In Amerika entwickelte sich die Modeindustrie vor allem in den Kriegsjahren weiter. Zuvor waren die USA modetechnisch gesehen sehr an Paris orientiert, jetzt versuchte man New York als das neue Paris aufzubauen. Obwohl der Krieg auch Amerika zu Rationierung zwang, gab es immerhin den Vorteil, dass eigene Baumwolle und Wolle produziert wurde. Zudem gab es nie eine Knappheit an Schminke, dafür wurden immer Chemikalien in der Industrie reserviert.

Noch einmal ganz anders zeigte sich die Situation in der ehemaligen Modehauptstadt in Frankreich, aber dazu ein anderes Mal mehr… Der Post ist ja ohnehin schon viel zu lang geworden…

 

 

52 Comments

  1. Mmmhhh. Das Buch steht auch noch auf meiner Wunschliste…
    Ich habe meine Schnittteile mittlerweile schon mal abgepaust, ich muss sie noch ausschneiden, aber erstmal nähe ich etwas für den Frühling/Sommer. Außerdem überlege ich noch wegen der Verarbeitung der Jacke. Ich habe ein tolles Buch hier und entsprechende Rosshaareinlage, weiß aber nicht, ob ich geduldig genug bin…
    Ich habe zwar alles abgepaust, mir die Anleitung aber noch nicht weiter angesehen. Für den Rock ist kein Futter vorgesehen? Würde/werde ich aber definitiv machen!
    Einen schönen Sonntag für Dich!

    LIebe Grüße,
    Simone

    • Mila says

      Das Buch ist eine echte Augenweide. Nur schade, dass es die Schnitte zu den gezeigten Kleidern nicht gibt. Ich hätte da gerne soooo viele nachgenäht. Die Erklärung von Simplicity ist an sich gut – nur das mit dem Futter habe ich nicht kapiert. Aber ich denke, dass es sich relativ leicht einnähen lassen wird. (Rosshaareinlage, ich bin beeindruckt… Was die Jacke angeht, muss ich dich bestimmt noch so einiges fragen…) Genieß den Tag, er sieht ja sonnig aus…

  2. Guten Morgen, nur mal schnell zur Futterfrage: in den Vierzigern hat man Unterkleider und Unterröcke getragen – nur Mäntel und Jacken wurde gefüttert. Das hat zum einen etwas mit der Entwicklung der Kleidung über die Jahzehnte zu tun und zum anderen auch mit der von dir schon erwähnten Materialknappheit zu tun :-)

    LG
    Andrea

  3. Weiter mit Politik & Mode, auch wenn ich die dieser Zeit gar nicht mag ( und nach dem, was du schreibst sowieso schon nicht mehr – Gretchenfotos könnt ich dir aus dem Familienfundus bieten -grrr! ). Ich hab dir ja schon geschrieben, dass die meiner Jugendzeit wohl doch für mich die größte geblieben ist, auch wenn ich jetzt weiß, wie schnell sie kommerzialisiert wurde. Aber mit Mode ist einfach viel Geld zu verdienen ( Susanne/mamimade hat in puncto T-Shirts wieder einen aufschlussreich bebilderten Post geschrieben ). Und jeder Mensch muss was anziehen, zumindest in unseren Breiten.-
    Über deine Näherfolge freue ich mich aber gerne mit ( leider kann ich damit in dieser Woche nicht mithalten ).
    Einen schönen Sonntag!
    Astrid

    • Mila says

      Witzigerweise wurde die Trachtenmode ja in Deutschland erst in den 50ern so richtig beliebt. Muss dringend mal den Post zu den T-Shirts lesen, danke für den Hinweis… Genieß die Magnolie, so lange sie blüht!

  4. Ich vermute mal, dass die Frauen früher einfach immer unterröcke getragen haben und deshalb nicht jeder Rock gefüttert wurde. Wenn du also keinen Unterrock drunter ziehst, würde ich dir raten, den Rock zu füttern. Außer du willst ihn mit nackten Beinen tragen. :-)
    LG Lotti

    • Mila says

      Mich kratzt es bei der Vorstellung jetzt schon… Schon überredet. Ich werde ihn füttern…

  5. Ach liebe Mila, deinen post zu lesen, fand ich so spannend, dass ich beim letzten Satz dachte, oh nein weiterschreiben!!
    Toll, dass du dich so sehr mit diesem Thema beschäftigst und uns in kurzer, prägnanter Form nahebringst.
    So bekommt die Zeit rund um den zweiten Weltkrieg und die unsägliche Nazizeit eine neue Facette, die mir auch das, was die Menschen und vor allen Dingen die Frauen in dieser Zeit bewegte, so viel näher bringt.
    Ich bedauere es unendlich, dass ich mit meiner Mutter, die zu Beginn des 2. Weltkriegs 17 Jahre war, nicht mehr, sprich häufiger über diesen Aspekt gesprochen habe.
    Ich erinnere, dass sie beschrieb, dass aus Tischdecken Röcke genäht wurden, und Wolle von Pullis aufgeribbelt wurde, um warme Socken zu stricken…
    Jetzt habe ich leider keine Chance mehr, irgendjemand aus dieser Generation zu fragen, da meine Mutter und alle Geschwister in den letzten Jahren verstorben sind.
    Um so erfreuter bin ich also, dass du diese Zeit modetechnisch von vielen Seiten beleuchtest.
    Gleichwohl wäre die Mode dieser Zeit eher nichts für mich, ich bin aber sehr gespannt auf dein Kostüm.
    Angeregt von Astrid habe ich überlegt, ob es eine Zeit gibt, die meinen Modegeschmack nachhaltig geprägt hat, komme aber zu dem Schluß eher nicht.
    Zu Hippiezeiten war ich ca. 10 Jahre, in den 80igern war ich (Jahrgang 61) in den Zwanzigern, habe Dauerwelle, Schulterpolster, Glanzblusen, Karottenhosen, John-Wayne-Hemden,…und weitere (heute schräg wirkende) Moden mitgemacht.
    Aber nichts hat mich dabei nachhaltig geprägt, nichts trage ich noch heute…
    Oder? Ich werde noch mal in mich gehen, und überlegen, wie sich mein heutiger Modegeschmack entwickelt hat.
    Du siehst, dein post wirkt sehr inspirierend!!! Danke dafür!!
    Einen schönen Sonntag und LG,
    Monika

    • Mila says

      Na, irgendeinen speziellen Stil hast du doch bestimmt, Monika. Ich finde gerade diese Details der Geschichte, zB. den Aspekt mit den Rock-Tischdecken, total faszinierend. Oder auch das, was zu welchen Zeiten gegessen worden. Das wäre ja ein ganz eigenes Thema für sich, was es in Deutschland zu Kriegszeiten noch zu essen gab. Auch darüber habe ich viel in Tageszeitungen der damaligen Zeit gelesen. So war Anfang des Krieges ein Kölner Delikatessengeschäft noch mit Erdbeeren im Winter…

  6. Den Rock wuerde ich auf jeden Fall fuettern, ist bestimmt angenehmer zu tragen.
    Ich denke auch oft, dass ein Schnitt zu eng ist und muss dann im Nachhinein das enger nähen, was ich aus Panik zugegeben habe.
    Schokolikoer hoert sich gut an 😉

    LG Luzie

    • Mila says

      Da bin ich ja froh, dass ich mit dem Tick nicht allein bin. Diesmal habe ich nichts weiter zugegeben wie sonst – was am Wegwerf-Stoff lag – und es war reichlich Platz. Schokolikör ist das BESTE!

  7. ich stelle mir deine nähsessions grad so richtig gemütlich vor :-)
    schmökern in einem schönen buch, schokolikör schlürfen, und entspannt ein Probestück nähen.

    gefällt mir :-)
    lg andrea

    • Mila says

      Liebe Andrea, ich hätte dir gerne einen Kommentar auf deinem Blog hinterlassen, aber wegen selbstgehostetem WordPress-Blog und fehlender url-Möglichkeit (ein Nerv-Thema, leider) geht das nicht. Schade. Ich wollte dir eigentlich sagen, wie weit du schon bist, und dass ich dich fürs Hosennähen sehr bewundere!

  8. Liebe Mila, ich würde den Rock auf jeden Fall füttern, mache ich immer, weil ich die Krise kriege, wenn er an der Strumpfhose pappt und das Bein langsam aber sicher beim Laufen hochkrabbelt. Vielen Dank für deinen Buchtip und den wirklich interessanten Modeexkurs!
    Liebste Grüße,
    Nadine

    • Mila says

      Also ein Hochkrabbel-Kostüm brauche ich definitiv nicht… Viele Grüße an dich…

  9. Hallo,

    puh, die Arbeit, die du dir bei diesem Kostüm machst. Respekt. Ich bin schon auf das fertige Stück gespannt. Hilfreiche Tipps kann ich dir jedoch nicht geben. Das Nähen ist nicht so meine Passion.

    Deine Ausführungen zur Mode in der Zeit des zweiten Weltkrieges finde ich immer wieder interessant und mag gerne mehr darüber lesen.

    Einen schönen Sonntag
    Jana

    • Mila says

      Das freut mich, Jana, danke für deinen Kommentar. Es ist schön, wenn man nicht ins Leere schreibt…

  10. Sylvia says

    Ich würde den Rock auch füttern, außer du willst keine Strumpfhosen dazu anziehen und die Naht direkt auf die Beine malen. Ich bin gespannt wie das Kostüm aussehen wird.
    Wie ist denn die CD so, die Besprechungen waren ja eher verhalten.
    Viele Grüße
    Sylvia

    • Mila says

      Ha, das wäre eine Idee mit der Naht, aber ich glaube, das kratzt ganz fürchterlich…
      Mir gefällt die CD ausgesprochen gut. Es ist etwas gefälliger, nicht so experimentell, doch das sagt mir zu, hat was Tanzbares…

  11. Doro says

    Schön, deine historische Übersicht. Ich freue mich auf den nächsten Teil. Und ja, einen Tweed-Rock würde ich füttern, damit er nicht kriecht oder kratzt. LG Doro

    • Mila says

      Und das freut mich sehr, Doro. Danke für das Feedback…

  12. Prinzenrolle says

    Hi Mila,
    schön, dich kennengelernt zu haben. Ich wollte noch ein Kompliment für dein erstes Kleid loswerden, aber da war die Kommentarfunktion außer Kraft gesetzt. Also hier: Toll, als ersten Schnitt einen solchen, nicht ganz so leichten gewählt zu haben. Und gelungene Umsetzung. Chapeau.
    Ich glaube, hier werde ich noch öfters stöbern kommen…
    Gruß aus H.
    Petra

    • Mila says

      Ist es nicht lustig, wie klein die Welt immer wieder ist, bzw. wie sich doch meistens mehrere Bereiche im Leben irgendwie überschneiden? Ich werde jedenfalls auch bei dir immer wieder lesen kommen. Herzliche Grüße nach H.!!!!

  13. Liebe Mila,
    Calexico begleitet mich seit mindestens 15 Jahren…ich besitze Unmengen Cds von den Jungs und war auf unzähligen Konzerten. Einmal habe ich Joey Burns sogar ein besticktes T-Shirt kreiert und überreicht…Hach…
    Aber in den letzten Jahren bin ich nicht mehr ganz der treue Fan, da ich mehr Fan der “alten” Klänge bin, wie das oft so ist. Ich werde trotzdem jetzt mal in die neue Platte reinhören.
    Ich mag keine eingenähten Unterröcke dafür umso mehr Unterkleider :-)
    Und Deine Ausführungen waren interessant und spannnend. Und ich gestehe: ich mag Trachten und Zöpfe :-) (aber folkloristisch, nicht volkstümlich…)
    Schönen Sonntag noch und liebe Grüße,
    Kerstin
    Ps: ich geh jetzt schnell nen Likör trinken

    • Mila says

      Was, ein besticktes T-Shirt, ich bin schwer beeindruckt. Du hast ja Groupie-Qualitäten! Mir gefällt die neue sehr gut, auch wenn sie natürlich viel gefälliger und weniger experimentell ist. Aber ich geh am 20. aufs Konzert der Jungs und da finde ich die tanzbare Mucke durchaus sehr angebracht…
      Folkloristisch mag ich das alles auch. Gerne noch mit einem Schuss Frida Kahlo…

  14. Ich freu mich schon sehr auf dein fertiges Kostüm! Das wird sicher total schick! Und ich merke, ich brauche ganz dringend Schokolikör 😉

    Liebe Grüße, Jessica

    • Mila says

      Nichts geht über Schokolikör! Vielleicht sollte ich eine Schnapshandlung aufmachen – für Nähnerds…

  15. Ach Mila…ich danke dir…Wenn du nicht wärst, ich glaube, ich hätte mir auch die nächsten 30 Jahre keine Gedanken darüber gemacht, wie die Mode in Kriegszeiten war…Du erweiterst meinen Horizont! Selbst beim Nähen “höre” ich dir gern zu, auch wenn ich selbst nicht damit anfangen werde…;-). LG Lotta.

    • Mila says

      Räusper. Jetzt bin ich doch etwas gerührt, liebe Lotta… Und wer weiß das schon mit dem Nähen, vielleicht brauchst du auch bald noch ein Brunhilde-Kostüm. Es wird ja schließlich blau…

  16. danke für deine kleine modegeschichte! ziemlich übel wurde mir bei dem satz, dass die nazis gebrauchte kleidung aus den ghettos und den vernichtungslagern nutzten. gespannt bin ich auf geschichten aus paris! dir viel erfolg mit brunhilde!!
    herzlichst, mano

    • Mila says

      Ja, das mit den Vernichtungslager-Kleidern das ist krass. Klar wird das auch bei einem Besuch in Auschwitz, dort haben sie riesige Berge an Kleidern so konserviert, wie sie sie bei der Befreiiung gefunden haben. Alles Ware fürs deutsche Reich.

  17. Danke für dein Posting!
    Das war total spannend zu lesen.

    Es ist immer wieder krass zu lesen, wie viel die Nazis letztendlich weltweit zum Erliegen gebracht haben. Wie viele Entwicklungen und Prozesse sie einfach gestoppt haben, weil sie ihnen nicht passten. Dabei war nur wenige Jahre zuvor in den 20ern so viel los in Berlin/ Deutschland – auch gerade in Sachen Mode.

    Ein Grund mehr dafür zu sorgen, dass das nie wieder passiert.

  18. Ach guck, es gab mal eine Zeit, in der Make up unbedingt erwünscht war? Das ist ja interessant (und ich wäre bestimmt ohne Farbe im Gesicht überall angeeckt…). Überhaupt sehr informativ Dein Essay über Politik und Mode, da habe ich mal wieder dazu gelernt! Ansonsten bin ich schon sehr gespannt auf Dein Kostüm. Mit dem Schokolikör als Näh-Beschleuniger (den kaufe ich immer in der Nuss-Version auf dem Pollhansmarkt) wird’s bestimmt klasse! Liebe Grüße, Mrs Go

    • Mila says

      Ohne Farbe wärst du dann völlig unpatriotisch gewesen. Zumindest in Großbritannien…
      Nuss-Version klingt auch nicht schlecht…

  19. Deine Ausführungen über Mode haben mich daran erinnert, dass ich gerade erst in einem Buch über deutsche Soldaten in Norwegen (“Der freundliche Feind”) einige Aussagen gelesen habe, bei denen das Thema im Prinzip auch angeschnitten wurde. Zum Beispiel haben einige Frauen ausgesagt, wie schick und gut aussehend die deutschen Soldaten in ihren Uniformen waren – vor allem im Vergleich zu den norwegischen jungen Männern, die in ihrer alltäglichen Kleidung, in der sie Vieh und Felder versorgten, herumliefen. Später hingegen kam dann eher Mitleid mit den deutschen Soldaten auf, weil diese so abgerissen aussahen und nicht mehr mit neuer Kleidung versorgt wurden. Überhaupt ging es in dem Buch sehr viel um Kleidung und Lebensmittelpakete, die zum Teil an die Front oder eben aus den besetzten Gebieten geschickte wurden – je nachdem wo es den Menschen gerade schlechter ging.

    Ich finde auch, dass deine Näherunde sehr entspannt klingt – du solltest unbedingt dafür sorgen, dass dir nie der Schokolikör ausgeht! 😉

    • Mila says

      Ja, irgendwie logisch, weil in der damaligen Zeit gerade Kleidung und Essen die elementaren Themen waren – bei dem “schick” finden von den Naziuniformen läuft mir natürlich ein Schauder über den Rücken. Aber man liest aus der Zeit ja oft Formulierungen von Zeitzeugen v.wg. die hätten “Schneid” gehabt usw… Da finde ich das Metrosexuelle Männerideal unserer Tage dann doch sympathischer…
      Und zum Glück ist meine Chefin fanatische Schokolikör-Trinkerin und fährt regelmäßig in einen kleinen westfälischen Ort, um uns mit Likör einer winzigen Fabrikatur zu versorgen…

      • Gerade ging im englischsprachigen Netz mal wieder rum, dass Boss damals Nazi-Uniformen designt hat. Da kamen auch Kommentare wie: However, quite stylish, cool etc. Aus außereuropäischer Sicht mit weniger Emotion und mehr Abstand kann man das wohl so sehen.
        Vor Kurzem sah ja ein junger Moderator ein bisschen HJ-mäßig aus, da gabe es auch Ärger.

        • Naja, Uniformen – zumindest wenn sie gut geschnitten sind – schmeicheln der Figur und durch die Kleiderordnung beim Militär sehen die Männer in der Regel adrett aus. Es gibt ja auch heute noch genügend Menschen, die Uniformen an sich attraktiv finden, unabhängig davon, um welchen Beruf es geht. Für uns ist so eine Aussage leicht zu verurteilen, eben weil wir wissen, welche Ideologie hinter dieser Uniform stand. Aber ich kann mir vorstellen, dass eine junge norwegische Frau, die weder besonders umfassend informiert war. noch persönlich schlechte Erfahrungen mit den Besatzern gemacht hat, sich von der äußeren Erscheinung, dem höflichen Benehmen und der Tatsache, dass da auf einmal junge Männer sind, die sie noch nicht ihr Leben lang kennt, beeindrucken lässt. Und ich bin mir sicher, dass es andersrum wenige Jahre später ähnlich in Deutschland war, nur dass es dann die amerikanischen, englischen, französischen Uniformen waren …

          • Mila says

            Uniformen sind ja gerne auch mal ein Fetisch. Und andere Länder sind wesentlich unkritischer Uniformen gegenüber, bzw. in dem Zusammenhang der Militärgeschichte ihres jeweiligen Landes gegenüber, wie ich unlängst in einem Militärmuseum in Schottland feststellen durfte. Eine Uniform nach der anderen wurde da aufgereiht. Ein Orden nach dem anderen. Nichts reflektierendes dazu, nichts erklärendes. Nada. Für mich absolut seltsam und befremdlich.
            Da hing auch unkommentiert eine Hakenkreuzfahne herum, einfach, weil das halt die eroberte Fahne des Feindes war. Auch hier keine Erklärung dazu. Nichts… Da kann ich mir eine Reaktion wie “However” leider durchaus vorstellen…
            Interessant finde ich übrigens, dass in unserer Gesellschaft Uniformen aus dem zivilen Leben mehr und mehr verschwinden. Schaffner, Postboten usw. haben zwar erkennbare Arbeitskleidung an, aber die entwickelt sich mehr und mehr in Richtung “Sport-Kleidungsstil”.

            • Wobei ich das nicht auf eine Ablehnung von Uniformen schieben würde, sondern darauf, dass diese Positionen nicht mehr staatlich besetzt sind – und nichtstaatliche Unternehmen haben nun mal keine Uniformen.

              Ich glaube schon, dass wir weltweit gesehen eine recht einmalige Sicht auf das Thema Militär haben – leider nicht ohne Grund.

              • Mila says

                Stimmt wohl. Habe ich so noch gar nicht bedacht.
                Mit dem Blick auf das Thema einmalige Sicht: In Schottland gab es in dem Militärmuseum ein Kinderbilderbuch mit einem lustig grinsenden kleinen netten Panzer als Hauptfigur. Ich habe vergessen, wie der Name des Panzers war. Vermutlich Timmy, the tank – oder sowas in der Art. Ich konnte mich gar nicht darüber einkriegen, dass Timmy, the tank, so niedlich und süß ist, dass er Menschen tötet…

                • Ich fürchte, es gibt so einige Veröffentlichungen in diese Richtung – man kann als Staat schließlich nicht früh genug damit anfangen zu rekrutieren. Ich halte mich lieber an “Tistou mit dem grünen Daumen”.

                  • Mila says

                    Wohl war. Und guck mal, schon wieder hast du mich zu einer Lektüre verführt. Tistou klingt nicht nur nach einer wunderbaren Geschichte, die Zeichnung auf dem dtv-Cover ist ja zudem noch hinreißend…

  20. Liebe Mila! Das war sehr, sehr spannend zu lesen! Danke! Und jetzt freu ich mich auf deinen Rock… Darauf noch ein Likörchen! Liebe Grüße zu dir, Ulli

  21. Ein anderes Modebuch, das ich sehr empfehlen kann ist “Forties Fashion”, das das Thema weltweit beleuchtet, hier mehr dazu http://textilegeschichten.net/2013/02/23/moden-im-krieg/
    Danke, dass du das Thema weiter verbreitest, ich würde auch gern noch viel mehr dazu machen. Zu dem “Recycling”thema hatte ich auch hier schon einmal etwas geschrieben http://textilegeschichten.net/2011/02/07/aus-alt-mach-neu-aus-not/
    zu den textilen Codes der Nazizeit auch, aber vielleicht hattest du es ja gesehen.
    Das Thema Mode+Politik war gerade aktuell? Muss ich mal gucken, welche Diskussion du meinst. Bin wohl in einer anderen Bubble :)

    • Mila says

      Oh, danke für den Link. Ich lese zwar sehr oft bei dir, aber ausgerechnet die beiden verlinkten Postings sind mir durchgegangen. Das Buch muss ich mir zulegen.
      Die textilen Codes habe ich bei dir gelesen.
      Mit der Diskussion meine ich die, die sich hier auf dem Blog zu dem Posting “Was hat das Kostüm mit Politik zu tun” ergeben hat. Ich verlinke sie dir hier schnell, falls du Interesse hast:
      http://creaturesandcreations.de/?p=1183
      Ich schätze deinen Blog übrigens sehr + lasse mich gerne von deinen Postings zum Weiterdenken anregen – wie das Hosen-Thema oder das Thema weibliche Handarbeit und Entwertung… Da denke ich immer noch drüber nach und werde demnächst auch mal was ausführlicheres schreiben…

      • Danke, dein Post war mir auch entgangen – toll, dass dich (und die Kommentatorinnen dort) das Thema interessiert. Wir könnten auch mal zeitgleich ein Thema angehen. Je mehr Leute zum Nachdenken angeregt und von Stereotypen abgelenkt werden, desto besser. So können dann auch Historiker u.a. vom Fach vielleicht mal sehen, dass Mode- Textil- und Handarbeitsfragen keine “seichten” Themen sind. Ich bin immer ganz entmutigt, dass es auf deutsch so wenig zu all dem gibt – im Vergleich zu anderen Ländern.

        • Mila says

          Das mit dem zeitgleichen Thema fände ich eine ganz wunderbare Idee. Mir macht so ein Austausch unheimlich viel Spaß, bzw. stößt mich sehr an und öffnet meine Augen.
          Apropos Handarbeit und unseicht: Gerade habe ich ein spannendes Buch gelesen “Strange Materials” (natürlich auf Englisch), in dem es recht praktisch und anschaulich über das Geschichtenerzählen durch Textilien geht, kreative Anregungen gegeben werden und Künstler vorgestellt werden. Dieses unterhaltsame und trotzdem “lehrreiche” Herangehen an Themen könnte ich mir hier tatsächlich kaum vorstellen. Schade!

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