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Geheimcode Granny Square

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Diese Episode der BBC-Kult-Serie “Der Doktor und das liebe Vieh” wurde in Deutschland nie ausgestrahlt: Brunhilde, die Schwester der Tierärzte Siegfried und Tristan Farnon, arbeitet Anfang der 40er Jahre als Agentin für den britischen Geheimdienst. Ihre Aufgabe: Einen Anschlag auf die Königsfamilie zu verhindern. Dafür schleicht sie sich unter der Deckidentität Sally in einer dem britischen Faschisten Mosley nahestehenden Familie ein. Brunhilde findet Kinder nervig, aber Hausarbeit verabscheut sie mit noch stärkerer Inbrunst, so dass sie froh ist, den vakanten Posten der Nanny ergattern zu können. Und erfährt tatsächlich, wann der abscheuliche Anschlag auf die voraussichtliche Thronfolgerin Prinzessin Elisabeth stattfinden soll.

Für alle Neuleserinnen. Dies ist mein Beitrag zum Lieblingsserien-Sew-Along. Ich plan(t)e ein 40er Jahre Kostüm passend zu “Der Doktor und das liebe Vieh” zu nähen und da mir die weiblichen Hauptfiguren der Serie nicht so ganz als Role-Model taugen, habe ich Brunhilde erfunden. Teil 1, Teil 2 und Teil 3 und Teil 4 teilweise mit Ausflügen in die Mode-Geschichte…

Rockvorne

Doch Brunhilde alias Sally wird Schritt auf Tritt beobachtet. Selbst wenn sie mit den Kindern in den Park geht, muss sie Angst haben, jederzeit enttarnt zu werden. Daher hat sie einen Geheimcode erdacht. Jeder Buchstabe im Alphabet und jede Zahl wird einer Wollfarbe zugeordnet. Indem sie scheinbar unverfänglich an einer Granny Square-Decke häkelt, kann sie dem Geheimdienst ihre Botschaften zukommen lassen. Ob die Verhinderung des Anschlags gelingen wird?

Rockhinten

Das echte Leben ist leider weniger spannend als eine Fernsehepisode, die es nie gab (wieso eigentlich nicht?) Mit dem Nähen für den Lieblings-Serien-und-Film-Sew-Alongs bin ich wegen des schönen Wetters nicht so weit gekommen, dafür habe ich mich gestern bei Regen hingesetzt und genäht. Der Rock ist bis auf den Saum fertig (fürs Abstecken brauche ich Hilfe). Und bis auf ein paar Unsauberkeiten meinerseits beim Nähen bin ich auch ganz zufrieden. Bzw. war ich, bis ich die Fotos gesehen habe. Leider trägt der Rock auf, d.h. ich werde wohl zu einer Art Miederhöschen oder so greifen müssen.

Genadelt

Mit dem Blazer des 40er Jahre Utility-Kostüms von Simplicity bin ich noch nicht weiter gekommen, aber es gibt ja am 24.5. noch das Finale der Herzen. Dann mit fertigem Rock und – hoffentlich – fertigem Jacket…. schöneren Trage-Fotos und Miederhöschen…

Bevor ich jetzt noch den versprochenen Teil über die Mode der 40er in Paris anfüge, erst einmal MERCI an Karin und Luzie für das Veranstalten dieses Sew Alongs…

Ach, wenn doch Nähen so einfach wie Häkeln wäre…

Geheimcodegranny2

Frankreich und die Mode der Okkupation

Paris, Hauptstadt der Mode. Auch 1940 war das noch nicht anders, obwohl Glamour Kriegsbedingt mit Praktischen Elementen gemischt wurde. So präsentierte Elsa Schiaparelli einen Overall mit Reißverschluss, ähnlich der Air-Shelter-Anzüge der Briten. Doch – Elsa wäre nicht Elsa – hätte es den Overall nicht in PINK gegeben. Die Staatspropaganda erinnerte die Frauen zudem daran, sich schick zu kleiden, um dem Feind zu zeigen, dass man nicht so leicht zu besiegen wäre. Kurz darauf marschierten allerdings die Nationalsozialisten in Frankreich ein. Und Paris glich einer Geisterstadt. Die modebewussten Pariser, die es sich leisten konnten, flüchteten. Die, die blieben oder bleiben mussten, öffneten nach und nach wieder ihre Geschäfte. Vier Jahre lang blieb Paris besetzt. Vier Jahre lang schufen Pariser Modeschöpfer weiter neue Mode. Nach dem Krieg wurde dies heftig kritisiert, denn diejenigen, die die Mode kauften, waren die Feinde, die Nazis und ihre Verbündeten oder Angehörige neutraler Staaten.  Und französische Kollaborateure. BOFs genannt. Beurre (Butter), Oeufs (Eier), Fromage (Käse).

Während Hitler die Modeindustrie in Frankreich sofort schließen wollte, um Berlin und Wien zu arischen Modestädten zu machen, verhandelte Lucien Lelong mit den Nationalsozialisten und überzeugte sie, dass ein paar (tatsächlich fast hundert) Modehäuser offen bleiben konnten. Dabei gingen die Modeschöpfer in ihrer Bereitschaft zur Verbrüderung mit dem Feind oder mit ihrer Ablehnung sehr unterschiedlich vor. Nina Ricci und Jacque Fath trafen sich öfter mit Nazi-Militärgrößen. Rochas war für seine antisemitische Einstellung bekannt. Die Modeschöpferin Madame Grès hingegen wurde immer mal wieder mit der Schließung ihres Modehauses bestraft, weil sie die Nazis mit ihren Entwürfen beleidigt hatte.

Als die ersten Journalisten und Fotografen nach der Befreiung Frankreichs im August 1944 in Paris eintrafen, trauten sie ihren Augen nicht: Pariserinnen liefen in langen, weiten Röckern herum und mit bestickten Jacken und reich geschmückten Hüten. Und das, während weite Teile Europas und sogar Frankreichs im Elend leben mussten…

Doch die Empörung über die Frivolität Paris’ hielt nicht lange an. Während England und Amerika 1947 modetechnisch noch hinterher hinkten, zeigte Paris und vor allem Dior der Welt schn wieder, wohin die Modereise ging: Wespentaillen, abgeflachte Schultern, weite Röcke, kleine Hüte mit Schleiern…

Netterweise bin ich noch mit einigen Originalmaterialien aus den 40ern und mit Literaturtipps versorgt worden, so dass ich die Teile über “Mode & Politik” noch mal zusammenfassen und überarbeiten werde. Demnächst…

 

36 Comments

  1. Ich bin Brunhilde-Fan! Auf den Häkeldeckencode muss man erst mal kommen, großartig! Dein Nadelkissen gefällt Nadelbernd übrigens ausnehmend gut…Ich bin gespannt auf das Finale der Herzen, gibt es dann eine weitere Folge von Brunhilde?
    Liebe Grüße, Nadine

    • Mila says

      Das Nadelkissen habe ich vor fast dreißig Jahren von meiner Cousine genäht bekommen. Es fällt fast auseinander, aber ich liebe es…
      Vielleicht hat Brunhilde ja noch ein Abenteuer zu bestehen, wer weiß…

  2. Doro says

    Ja, das ist wirklich eine Serienfolge, die gedreht werden müsste… Ich bin auf dein Outfit gespannt und freue mich über den nächsten Teil der Modegeschichte. LG Doro

    • Mila says

      Leider recherchiert es sich leichter als es sich nähen lässt. Seufz!

  3. Häkeldeckencode, wie cool. Brunhilde ist der Knaller. Und welchen Code übermittelst du beim Granny-Square-Zusammennähen? Der Rock sieht schon so sehr hübsch aus… und mit Jacke erst (und Miederhöschen 😉 ). Dein Ausflug ins Mode-Paris der 40er Jahre hab ich gern gelesen, danke dafür. Liebe Sonntagsgrüße, Ulli

    • Mila says

      Vielleicht lasse ich alle mal raten, was der Code bedeutet. Bletchley-Granny-Square halt.

  4. Arme Brunhilde, da muss sie sich im Dienste ihres Vaterlandes mit Kindern und Handarbeiten rumschlagen. Immerhin ergeben ihre Botschaften eine wunderschöne Decke! :)

    Dein Nadelkissen finde ich bezaubernd, aber ich leide ein wenig mit ihm, wenn ich die ganzen Nadeln in seinem Körper sehe.

    Den Rock finde ich schon mal sehr schick – ich bin gespannt, wie das gesamte Kostüm am Ende ausschaut. :)

    • Mila says

      So wie der Bär habe ich mich beim Nähen gefühlt. Ich habe nämlich neue Stecknadeln gekauft, die tierisch spitz waren…

  5. Wieder ein sehr interessanter post zum Thema Mode in der Kriegszeit, bitte mehr!!
    Und bei Brunhilde habe ich mich köstlich amüsiert.:-)
    Schön gesponnen, äh gehäkelt! 😉
    Auch davon mehr!!
    Und zu deinem Rock, also ich seh da keine Mieder-Notwendigkeit. Ich finde, er sieht sehr swinging aus.
    LG auch an Brunhilde;-) ,
    Monika

    • Mila says

      Da kommt noch was zum Thema, versprochen, ich bin gerade ganz angefixt davon…

  6. Liebe Mila…wer wird denn da so kritisch mit sich selbst sein…ich sehe jedenfalls keinen Hinweis darauf, dass der Rock aufträgt…;-). Er wird wunderschön und passt ganz fabelhaft zu dir! LG Lotta.

    • Mila says

      Ich habe die besseren Fotos genommen… Dankeschön, ich muss jetzt unbedingt den Saum nähen…

  7. Das sieht schon sehr vielversprechend aus, liebe Mila, und ich bin sicher, alle Herzen werden beim Finale bei deinem outfit höher schlagen! Danke für die interessanten Fakten zur Serie und zu der Modegeschichte – gerne gelesen!
    LG. SUsanne

    • Mila says

      Wenn ich es nur nicht nähen müsste, dann würde auch mein Herz höher schlagen…

  8. Was für ein armer kleiner Bär.. snief!! Ich mag gar nicht hinschauen, Mila! Ich bin bekennender Brunhilde-Fan! Habe ich Dir das eigentlich schon gesagt? Die Arme! Ob ihr überaus anstrengender Einsatz an der Küchenfront wohl der Prinzessin das Leben rettet? Wohlmöglich gelingt es ihr nur in (oder wegen) ihrem schicken neuen Outfit.. grins breit! Liebe Grüße in den verregneten Sonntag, Nicole

    • Mila says

      Vermutlich spielt ein hellblaues Tweed-Jacket bei der Rettung der zukünftigen Queen eine ganz entscheidende Rolle… Warten wir mal die nächste Episode ab, die da heißt “Tee, Tweed und Todesfalle”…

  9. schade, dass sie dich nicht hatten, als die drehbücher geschrieben wurden – brunhilde ist eine wahre bereicherung!
    und sehr spannend, über die mode geschichte zu lesen :-)
    lg anja

    • Mila says

      Vielleicht gibt es irgendwann mal ein Remake. Und wehe, sie setzen Brunhilde dann nicht ein…

  10. Dass man als Geheimagentin das Nähen des eigenen Outfits ab und zu mal hintenanstellen muss, versteht sich. Zumal wenn wichtige Botschaften eine aufwändige Häkelverschlüsselung erhalten müssen. Auf die Auflösung des Codes und auf das fertige Outfit bin ich auch schon gespant. Und dann sehen wir uns wahrscheinlich beim Finale der Herzen… Liebe Grüße – auch an Brunhilde – von Mrs Go

    • Mila says

      Das Finale der Herzen wird unseres sein, Mrs Go, ich bin doch schon sehr auf die Stickereien gespannt. Und auf weitere große Auftritte vom Halbschattenkater…

  11. Sieht doch schon sehr vielversprechend aus das Outfit von Brunhilde. Vielleicht steht der Rock auch nur so etwas ab wegen den Stecknadeln. Also von hier betrachtet trägt er eigentlich nicht sehr auf. Bin gespannt auf den Rest. Und immer schön Augen auf das der Geheimdienst Brunhilde nicht ertappt. Liebe Grüsse Martina

    • Mila says

      Ja, die Stecknadeln sind bestimmt nicht hilfreich, ich warte einfach das Umnähen mal ab…

  12. Liebe Mila,
    wo der Rock auftragen soll kann ich jetzt nicht wirklich erkennen! Hübsch, mit Jacke bestimmt ganz hinreißend.
    Brunhilde ist ja eine tolle Person, aber die Arme warum außgerechnet dieser schlimme Name. Tristan, Siegfried. Die Eltern hatten wohl eine große Schwäche für Wagner, da wäre doch auch Isolde gegangen oder Krimhild, nicht ganz so schrecklich.
    Der Mode in ihrer Zeit Exkurs war auch wieder sehr interessant!
    Liebe Grüße
    Jennifer

    • Mila says

      Da verstehe einer die Eltern, tststs…
      Hab mich darüber gefreut, dass Herr Hugo schon Beute aus dem Paket gemacht hat!

  13. Du tauchst aber jetzt wirklich ganz in die Welt deines Nähprojekts ein! ( Da käme ich ja zu gar nichts mehr. Aber ich schreibe dann auch lieber Sachtexte. Und so nähe ich dann wohl auch…)
    Die Fortsetzung folgt?
    LG
    Astrid

    • Mila says

      Garantiert gibt es noch eine Fortsetzung, ich bin ja noch nicht fertig. Ich gebe zu, dass mir der Fantasiebereich am Sewalong am Besten gefällt…

  14. Liebe Mila,
    der Rock sieht doch sehr entzückend aus und ich kann keine Notwendigkeit eines Miederhöschen erkennen. Jetzt erwarte ich gespannt das Jacket und die Folge ” Tee, Tweed und Todesfalle”!
    Und natürlich bin ich auch gepannt ob Du uns auch noch den Code Deiner wunderschönen Decke enthüllst…
    Hab eine gute und fröhliche Woche,
    liebe Grüße,
    Kerstin

    • Mila says

      Du auch, liebe Kerstin! Am Wochenende komme ich endlich zum Weiternähen…

  15. Oh ja, Mode+Politik Zusammenfassung wäre toll. Mir juckt es auch in den Fingern, dazu Bilder herauszusuchen, aber hast du sicher schon. Freue mich also auf “demnächst”.

    • Mila says

      Ich habe jetzt zum Glück eine Original Modezeitschrift aus den 40ern aus Deutschland… Und noch so ein Schneiderheft mit BDM-Anleitung. Aber ansonsten fehlen mir Bilder. Also falls du Lust hättest, könnten wir uns ja auf ein Datum verständigen und dann posten wir gleichzeitig. Ich mehr Text und du mehr Bilder???

  16. Liebe Mila,
    du bist großartig, dass du uns immer so viel Interessantes erzählst. Ich liebe deine Histrory-Stunden!!! Ich habe deine Zeilen wieder total fasziniert gelesen! Es gibt einfach so viel Spannendes auf der Welt. Schade, dass man immer zu wenig Freizeit hat, um das alles aufsaugen zu können. Danke dir! Da habe ich heute schon wieder mal was Neues gelernt! Freu!!! :-) Ganz liebe Grüße zu dir rüber…
    Best Michaela

    • Mila says

      Das mit der Zeit kann ich wirklich unterschreiben. ich finde auch zu viel zu interessant…

  17. Ich bin fast ein wenig traurig, dass diese Folge hier nie gezeigt wurde :) Vielleicht musst du die ja noch drehen damit wir uns daran erfreuen können? In deinem Outfit natürlich 😉 Der Rock sieht schon super aus, ich freu mich auf das Finale der Herzen!

    Liebe Grüße, Jessica

    • Mila says

      Ja, das deutsche Fernsehen hat uns gemein hintergangen und lieber eine Folge von “Das Schloss am Wörthersee” wiederholt. Betrug.

  18. dreikah says

    Gute Idee, Häkeln als Tarnung, das merke ich mir. Der Rock ist schon mal sehr schön geworden. Bin gespannt auf den Blazer. Wir sehen und am 24.5.
    LG Karin

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