Kreative Gedanken

Wieviel Zufriedenheit braucht die Kreativität?

neuheit

Machen, um des Machens willen. Der Kreativität freien Lauf lassen. Ohne gleich einen fertigen, dekorativen Anspruch zu haben. Diesen Versuch habe ich schon ein paar Mal in den letzten Monaten unternommen. … z.B. hier & hier  & hier… Jetzt knüpfte ich an eine Kindheitserinnerung an und ließ mich (wieder einmal) von meinen Kindern inspirieren.

mitdenclownskamendietränen

Ausgehend von einem Kreativitätsansatz, den Lynda Barry (eine amerikanische Comic-Zeichnerin und Autorin) in ihrem sehr empfehlenswerten Buch “What it is” anregt, habe ich mich von einem Bild aus meiner Kindheit treiben lassen. Mein Kreativitätsflow ließ vor meinem inneren Auge einen Eindruck Revue passieren, den ich mit ungefähr zehn Jahren machte. Meine Mutter arbeitete damals als Kunsterzieherin in einem von Nonnen geführten Heim. Bei einem meiner Besuche saßen zwei ältere, grauhaarige Damen an einem Tisch und malten mit schwarzem Filzstift Malbücher aus. Es muss die Absurdität dieses Moments gewesen sein, weshalb sich der Eindruck dermaßen in mein Gedächtnis eingebrannt hat. Diesen Eindruck habe ich jetzt nach-vollzogen. Aber ich fand es zugegebenermaßen ziemlich schnell ziemlich langweilig.

Tongötter

Eine spontane Idee kam mir, als meine Kinder mit Ton und Draht werkelten. Damit der schwere Ton zu Figuren verarbeitet werden konnte, nutzen sie Draht zur Verstärkung. Ich wollte unbedingt den Draht verwenden, dem archaischen Ton jedoch etwas Leichtes, Filigranes entgegensetzen. Dabei dachte ich an die japanischen Lampenschirme, die früher in meinem Kinderzimmer hingen. Deshalb versuchte ich mit Seidenpapier und Draht einen Lampenschirm zu basteln.

Papierskulptur

Da das Seidenpapier an einigen Stellen durch die Feuchtigkeit des Klebers riß, verwendete ich eine Kostbarkeit von Mano, um die Löcher zu flicken. Und ein Glanzbild von Ulli, das mir in die Hände fiel. Beides Geschenke des Materialtauschs, der mich so glücklich gemacht hat.

glanzbild

Bei Licht betrachtet ergibt alles ein recht schiefes Endergebnis. Doch weil ich Materialien ausprobierte, die ich nicht so oft verwende, habe ich bei der Fertigung – im Gegensatz zu dem geschwärzten Malbuch – eine große Befriedigung empfunden. Was mich zu der Frage bringt, wie zufrieden der kreative Prozess eigentlich machen muss bzw. machen sollte?

lampenschirm

Bei manchen Tätigkeiten (bei mir das Häkeln) ist die Zufriedenheit meistens vorprogrammiert, weil ich weiß, was das Ergebnis bringen wird. Beim experimentelleren Werkeln sieht das anders aus. Zufriedenheit hole ich mir da seltener durch das Endprodukt, sondern eher durch die Lust am Tun, bzw. die Freude daran, Sachen ausprobiert zu haben.

Zufriedenheit

Wie sieht es bei euch aus? Wie zufrieden muss euch das Machen stellen? Wie zufrieden müsst ihr mit dem Ergebnis sein????

30 Comments

  1. Machen, machen, machen, das ist des Pudels Kern. Und wenn das Resultat dann auch noch gelungen ist, gibt es zur Zufriedenheit auch noch ein bisschen Stolz…
    Deine Lampe ist schräg, im wahrsten Sinne des Wortes, aber gelungen!
    LG
    Astrid

    • Mila says

      Oh ja, der Stolz, wenn es dann gelungen sein sollte, der entschädigt natürlich für Vieles…

  2. Ich glaube, wenn ich kreativ tätig werde, dann habe ich ein klares Ziel vor Augen…da ist eher nicht der Weg das Ziel. Ich vermute, deshalb wird auch nie eine Künstlerin aus mir…;-). Macht aber nix…gibt ja genug andere…LG Lotta.

    • Mila says

      Es sind ja auch leider oft genug Umwege, die es zu nehmen gilt, insofern kann ich den direkten Weg als Wunsch sehr gut nachvollziehen.

  3. Oja, machen um des Wollens willen und nicht um des Ergebnis willen! Ich weiß bei meinen neuen Papierdingen auch nicht immer, wohin es mich treibt, und wenn ich nicht zufrieden mit dem ERgebnis, dann ist doch meist der Weg dorthin sehr erfüllend und durch das materialhandling einfach schön. Ich weiß nicht, wie viel Ergebnis wir insgeheim suchen oder anzutreffen hoffen, aber ich hoffe für uns alle, dass wir mutig genug sind, einfach nur weiter zu tun und mit jedem Moment, den wir mit dem Tun verbringen, glücklich sind. Alles andere ist ein Zusatzgeschenk, ein Bonus, ein Sahneklecks.
    Ganz lieben Gruß und bitte bitte weiterhin auch so vel Mut zum Werkeln ohne bestimmbares Ziel! Das macht es aus
    LG. Susanne

    • Mila says

      Der Sahneklecks, es wäre schön, wenn ich es immer so sehen würde. Leider – nicht so sehr beim experimentellen Werkeln aber sonst – bin ich oft frustriert, wenn das Ergebnis nicht ganz so wünschenswert geworden ist. Eine doofe Hemmschwelle.

  4. Das Machen ist wichtig… das Ergebnis aber auch.. Ich muss leider so lange an einer Sache rumbasteln, bis es passt, sonst nervt es mich. Aber deine Lampe finde ich ganz wunderschön! gerade weil sie so ist, wie sie ist! Mit Erinnerungen und Materialien. Herzliche Grüße
    Denise

    • Mila says

      Meine Frustrationsschwelle ist leider nicht so hoch. Wenn ich – wie beim Nähen – zu oft rumprobieren und neu machen muss, dann gebe ich sehr schnell auf.

  5. Hm, also ich mache schon lieber mit Ziel und Ergebnis, besonders beim nähen. Bei vielen Patchworkprojekten weiß ich am Anfang noch nicht genau WAS ich am Ende erhalte und oft liegen begonnene Projekte auch mal ein paar Monate, weil das optimale Material oder das “wie weiter” fehlt. Ich würde das aber nicht als machen um des Machens willen bezeichnen. Und ich versuche schon ein Ergebnis zu erzielen mit dem ich am Ende zufrieden bin. Falls nötig trenne ich auch noch mal auf und verändere. Beim Zeichnen ist das anders, gefällt mir das Ergebnis, hebe ich es auf, falls nicht kommt es eben ins Altpapier. Möglicherweise liegt, das an dem Wert den ich dem Material beimesse. Ich bin kein so richtiger Papiermensch, mir liegt Stoff einfach näher.
    Deine Lampe finde ich ganz interessant, besonders durch das verschiedene Material. Ich würde sie benutzen solange sie gefällt und danach vielleicht versuchen die besonderen Teile nochmal in etwas anderes einzubauen.
    Liebe Grüße und eine gute Woche
    Jennifer

    • Mila says

      Das mit dem Wert ist ein sehr interessanter Aspekt, liebe Jennifer. Ich werkel ja auch nicht mit den teuren Stoffen rum, sondern suche mir ungewöhnlichere Materialien. Damit die Hemmschwelle nicht so groß ist. Wobei ich es schon schwierig fand, die besonderen Materialgaben mit einzubauen. Das Meiste des Materialtauschs liegt deshalb noch unbenutzt herum. Weil ich es zu schade zum Verwenden finde. Aber du hast Recht, ich kann es ja weiter verwenden…

  6. Am zufriedensten bei kreativen Arbeiten bin ich, wenn ich mir den Druck vom Hals geschafft habe – Zeitdruck und Erwartungsdruck vor allem von meiner eigenen Seite her.
    Klar, das Ergebnis soll mir auch gefallen, aber Perfektion ist da eh nicht mein Ding. 😉
    Liebe Grüße
    Andrea

    • Mila says

      Der eigene Erwartungsdruck, der stellt mir auch oft ein Bein. Wenn ich schon Zeit reinstecke, dann soll auch was Befriedigendes rauskommen. Aber eigentlich hemmt mich das eher. Und ich versuche dies mit dem “Einfach-Machen” ein bißchen zu umgehen. Perfektion ist jetzt auch nicht so meins…

  7. Bei mir ist manchmal auch der Weg das Ziel. Das Ergebnis ist eher Zweitrangig. Ich finde es manchmal auch einfach toll ein Material anzufassen. Zum Beispiel mag ich es mit Ton rumzumatschen, aber die Ergebnisse sind eben so lala. Spaß macht es trotzdem :-)

    Liebe Grüße
    Dörthe

    • Mila says

      Oh ja, bei einem Material wie Ton geht es mir ebenso. Das Gefühl des Verarbeitens ist ein so großartiges, dass ich nachher gar nicht so enttäuscht bin, wenn das Ergebnis mich nicht zufriedenstellt. Der Spaß-Faktor ist defintiv nicht zu verachten…

  8. Einfach mal machen.. mit seinen Händen arbeiten.. und sei es nur eine Nebenbeikritzelei am Telefon.. Du hast so recht, Mila! Häkeln, malen, filzen, basteln, mit den Händen in der Erde wühlen.. Hände brauchen Beschäftigung damit der Kopf klar wird.. grins! Allerdings kommt manchmal mein Ehrgeiz hinzu.. wenn es nicht so wird, wie ich es mir vorgestellt habe, werde ich leicht brassig.. ähem! Manchmal. Liebe Grüße in den Montagmorgen, Nicole

    • Mila says

      Durchs Werkeln der Hände wird der Kopf oft klar, so geht es mir auch, liebe Nicole, nur manchmal verliere ich durchs viele Werkleln den Fokus. Aktuell zum Beispiel. Da habe ich viel zu viele angefangene Projekte herumliegen… Dann werde ich “brassig” – was auch immer das genau bedeutet…

  9. ich muss immer irgendwas mit meinen händen machen. schwierig wird es, wenn der kopf zu sehr hinzukommt. dann kommen erlernte muster hinzu, wie “das gehört sich aber nicht”, “das passt doch nicht”, “rosa geht nie zu gelb” “das ist aber nicht schön” etc etc.
    also experimentiere ich ganz oft einfach rum, mal zufrieden, mal weniger. aber ich mache dann einfach weiter oder lasse liegen und finde später eine idee oder habe eine andere verwendung dafür.
    am wochenende hab ich mit einer freundin gedruckt, und wir hatten keine idee, was und wofür. bei mir wurde einiges verworfen (“sieht doof aus”) ,aber später nochmal bearbeitet. und siehe da: aus dem “doof” wurden hübsche buntpapiere und es entwickelte sich noch dazu eine neue idee. so wurde es ein ausgesprochen zufriedener tag!
    deinen lampenschirm finde ich herrlich und freue mich, dass ich etwas dazu beisteuern durfte!
    herzliche grüße, mano

    • Mila says

      Wie schön, dass aus einem unzufriedenen “zu doof” sich ein zufriedener Tag entwickelt hat. Ich versuche mich auch stärker darauf zu konzentrieren, mich am Ende darüber zu freuen, dass ich “gemacht” habe. Aber noch gelingt es mir nicht immer…

  10. ich habe durch die wieder entdeckte kreative ader zu mir selbst gefunden.
    mit dem häkeln geht’s mir so wie dir. beim zeichnen, dem paper piecing und auch dem sticken bin ich auch geistig besonders kreativ beansprucht, was eine große zufriedenheit schon während des entstehungsprozesses mit sich bringt. ich empfinde es als großes glück, das alles zu können!

    • Mila says

      Absolut. Ja! Es ist ein großes Glück, alles zu können oder es mir immerhin aneigenen zu können. Verrückt ist nur, dass ich so schnell vergesse, wie lange es gedauert hat, bis ich z.B. beim Häkeln so sicher etwas Zufriedenstellendes produzieren konnte. Wenn ich mich zurück erinnere war das in den Anfängen bei mir auch anders. Da war das mit dem Zufrieden-Sein nicht garantiert. Vielleicht sollte ich mir das öfter vorhalten. Z.B. beim Nähen oder Sticken. Und vom Paper piecing will ich jetzt gar nicht anfangen, das will ich ja auch noch können.
      Allerdings weiß ich, was du mit der großen Zufriedenheit beim Entstehungsprozess meinst. Das ging mir bei den Stickkursen in der Royal School of Needlework so. Da war ich so im Machen und Tun versunken, dass ich gar nicht gemerkt habe, wie die Zeit vergeht…

  11. Einfach treiben lassen beim kreativen Tun, mach ich viel, viel zu selten (und dabei nehm ich’s mir ja auch immer wieder vor). Wie schön, wenn sich etwas erst beim Machen entwickelt. Deine Lampe gefällt mir sehr. Wie gut, dass du selbst beim Reißen des Papiers nicht hingeschmissen, sondern sie mit kleinen Extras doch noch zu einem besonderen Stück geformt hast. Und ich freu mich natürlich sehr, eins der kleinen Glanzbildchen hier wiederzufinden. Sei lieb gegrüßt, Ulli

    • Mila says

      Das schöne beim Materialtausch ist, dass ich ein bißchen was von euch/ dir zu Hause habe, das über den Blog hinaus geht… So entstehen auch Verbindungen…

  12. Liebe Mila,
    ich mag Deinen Lampenschirm und habe auch Lust bekommen etwas aus Draht und Papier zu machen. Ich mag die Figuren Deiner Kinder auch sehr!! Großes Kompliment an die Meister des Ausprobierens!
    Da ich das Meiste, was ich herstelle später in meinem Job umsetze bin ich fast immer zielgerichtet und habe einen Wunsch, wie das Ergebnis auszusehen hat. Einfach so probieren kommt selten vor, manchmal schon, v.a. wenn ich Neues ausprobieren möchte. Meist gehe ich aber so lange schwanger mit meinen Ideen, dass ich dann sehr schnell und sehr zielgerichtet arbeite wenn der richtige Zeitpunkt da ist.
    Ich finde dass das eine sehr große Rolle spielt: der richtige Zeitpunkt. Und vielleicht bedeutet Kreativität auch, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen?
    Und ich gebe zu, für mich ist Zufriedenheit schon wichtig, da ich gefühlt zu wenig Zeit habe für Dinge, die ich nicht mag…
    Der Trick ich allerdings, und jetzt Achtung :-) : ich setze meine Messlatte nicht zu hoch und bin nett zu mir und mag meist auch das, was vielleicht objektiv nicht so toll ist 😉
    In diesem Sinne kann gar nix schiel gehen liebe Mila!
    Übrigens wollte ich eigentlich im Post erwähnen, dass Bommel von Dir an meiner Wand hängen, ich habe es nur verpeilt, wie auch das Datum und auch noch so manches anderes…
    Zufällig gibt es morgen eines Deiner (ehemaligen) Glanzbildchen bei mir zu sehen…
    Viele liebe Grüße,
    Kerstin

    • Mila says

      Liebe Kerstin, das macht doch nichts, wenn du die Bommel nicht erwähnst, ich freue mich nur immer, wenn ich sehe, dass da das ein oder andere des Materialtauschs in deinen Alltag eingezogen ist. Ich hab’s eben auch schon Ulli zum Glanzbild geschrieben: Ich finde es ganz wundervoll, dass so über die Blogs hinaus Verbindungen entstehen…
      Die Messlatte nicht zu hoch hängen, das wird wohl enorm wichtig sein. Bei mir ist es oft eher so, dass die Messlatte zu hoch hängt, d.h. ich habe eine zwar schwammige Vorstellung im Kopf, aber eine Vorstellung. Und das Ergebnis kommt der oft so gar nicht nah. Ein bißchen gilt es daher sicher auch, sich den kindlichen Stolz auf die selbst fabrizierten Werke zu bewahren oder ihn wieder zu entdecken. Denn was heißt am Ende schon objektiv…

  13. So ähnlich würde ich den Zusammenhang von Kreativität und Zufriedenheit auch beschreiben. Eigentlich bin ich kreativ, weil der Weg zum fertigen Stück aber auch das Glück danach, mich richtig zufrieden machen. Natürlich gibt es auch Fehlschläge, aber schon alleine der Versuch, etwas aus irgendeinem Material zu erschaffen, hat Momente der Zufriedenheit bewirkt. Und wenn es dann mal nix war, auch gut.
    Liebe Grüsse,
    Claudine

    • Mila says

      “Momente der Zufriedenheit” – das werde ich mir merken!

  14. Hm, das ist echt eine schwierige Frage..
    Da hab ich mir noch nie so wirklich viel Gedanken drüber gemacht
    Ich glaube ich fange wirklich erst an eine kreative IDee umzusetzen, wenn sie in meinem Kopf so weit gereift ist, dass ich weiß, dass es so gut wird, dass ich auch zufrieden sein werde.
    Das führt natürlich dazu, dass ich irgendwie nicht viel mache…
    ISt das PErfektionismus?
    Vielleicht….

    Ganz viele liebe Grüße udn danke für den Gedankenanstoß

    Franzy

    P.S.: Ich würde mich freuen, wenn du Teil meines Ersten Giveaway auf dem Blog werden würdest… Das macht ja doch mehr Spaß, wenn mehr Leute mitmachen und ich bin schon so aufgeregt :)

    • Mila says

      Zumindest ist ein sehr geplanter Ansatz. Ich gebe zu, ich bin da mehr die aus-dem-Bauch-heraus-Macherin. Aber anders als bei deiner Rangehensweise scheitere ich damit natürlich oft…
      Ich weiß nicht genau warum, aber ich habe etwas Schwierigkeiten, deinen Blog zu öffnen. Die Seite hängt sich immer wieder auf…

  15. egal ob machen oder ergebnis, es soll mich entspannen, freuen, herausforderung sein, die gedanken und das herz fliegen und den alltag loslassen können. meist gelingt’s und wenn nicht, dann ist es halt einfach nicht meins. macht nichts. lg, nikki
    ps: immer so weiter, liebe mila, ich mag’s sehr:)

    • Mila says

      Die Herausforderung ist auf jeden Fall ein wichtiger Aspekt. Es geht auch darum, mir ein kleines bißchen zu beweisen, dass ich mir alles möglich an Fähigkeiten aneignen kann (also zumindest mit viel Zeit). Und “das Herz fliegen lassen” wird einer meiner Lieblings-Kreativ-Ausdrücke. Danke!

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