Creatures

Von der Demut einer Teekanne

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“Es war einmal eine stolze Teekanne, stolz auf ihr Porzellan, stolz auf ihre lange Tülle, stolz auf ihren breiten Henkel; sie hatte etwas vorne an und hinten an, den Henkel hinten, die Tülle vorn, und davon sprach sie; aber sie sprach nicht von ihrem Deckel, der war zerbrochen, der war gekittet, der hatte einen Fehler, und von seinen Fehlern spricht man nicht gerne, das tun die andern genug… ‘Ich kenne sie!’ sagte sie zu sich selber. ‘Ich kenne auch wohl meine Mängel, und ich erkenne sie, darin liegt meine Demut, meine Bescheidenheit, Mängel haben wir alle, aber man hat doch auch Begabung.'” (Die Teekanne. H.C. Andersen)

Die Märchen Hans Christian Andersens liebe ich nicht zuletzt auch deshalb so sehr, weil der Autor scheinbar leblosen Dingen Charakter einhauchte – und damit menschliches Verhalten so wunderbar zu karikieren verstand. Was lag da näher, als für das Schaufenster einer Bonner Buchhandlung anlässlich des Geburtstages von Andersen, eine Teekanne mit Charakter zu konzipieren?!

demütigeKanne

 

Dieser erste Versuch einer genähten Kanne hat Mängel, gewiss, zumal sie ständig für einen Elefanten gehalten wird (was sie nicht ist, bzw. nicht sein soll), aber die Form ist ja noch ausbaufähig. Man hat doch auch Begabung. Darum bin ich schon dabei, eine zweite Kanne zu nähen, bauchiger soll sie werden und un-elefantiger, weshalb ich statt des grauen Stoffes jetzt mal hellen verwende. Und so wird aus ein paar Stücken Stoff und ein paar Fäden Wolle eine Teekanne mit Charakter. Denn –  wie es “Die Teekanne” so schön formuliert:

“… ich bin die Gebende, die Herrschende, ich verbreite den Segen unter der durstenden Menschheit; in meinem Innern werden die chinesischen Blätter mit dem kochenden geschmacklosen Wasser verbunden.”

DemütigeKanne2

 

und ab damit zum Creadienstag

54 Comments

  1. Guten Morgen, liebe Mila,
    die Teekanne ist klasse ( auch, wenn ich sie fälschlicherweise auch zuerst für ein Elefäntchen gehalten habe, muss ich gestehen …), aber das liegt wohl wirklich am grauen Stoff.
    Auf jeden Fall eine tolle Idee zu einer wunderbaren Geschichte!
    Ich wünsche Dir einen wunderschönen und glücklichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

    • Mila says

      Du bist nicht die Erste, die das denkt. Einen wunderbaren Tag wünsche ich auch dir, liebe Claudia.

  2. alles, alles, alles an diesem Blogpost ist wundervolle Poesie! Deine Teekanne, deine Worte… ich bin zutiefst berührt!
    liebe Grüße
    Denise

    • Mila says

      Andersens Märchen haben einfach diesen Effekt: Zu inspirieren und zu berühren…

  3. Ich bewundere deine kreativen Werke schon sehr und jetzt in Kombination mit H.C.Andersons zauberhaften Worten, wird deine märchenhafte Teekanne mit Körper und Strickjäckchen ganz und gar wunderbar.
    Auch wenn sie ein Auftrag für dieses Buchhandlungs-Schaufenster ist, steht sie doch irgendwie in deiner Tradition deines kreativen Tuns um der Kreativität willen. Das fasziniert mich sehr, da ich doch immer eher zweckgebunden kreativ werde.
    SCHÖN!
    Liebe Grüße,
    Monika

    • Mila says

      Sie ist auch eher ein Zufallsprodukt, eigentlich sollte ich “nur” die Prinzessin erschaffen. Aber wie das mit der Kreativität so ist, sie galoppiert mir ständig davon… Und ich gebe zu, ich habe mich in diese hochmütig-demütige Teekanne verliebt, sie bekommt gerade Familienzuwachs – diesmal in un-grau…

  4. Alice says

    Liebe Mila,
    Ohhh was für ein Glück dass ich deinen Blog gefunden habe, das ist ja ganz zauberhaft hier! :-O Märchen, Geschichten und so tolle Handarbeit! Wow! Ich komme jetzt gerne immer wieder. :-)
    Liebe Grüße,
    Alice

    • Mila says

      Und ich freue mich sehr, dass du hergefunden hast. Lass dich gerne mal wieder blicken, liebe Alice.

  5. Herrlich! Du hast Recht, Andersen ist in dieser Hinsicht sehr inspirierend…Aber nur du bist in der Lage, es umzusetzen!
    Einen guten Tag!
    Astrid

  6. Das wäre aber ein sehr stilisierter Elefant – auch schön! Als Teekanne gefällt mir das Gemeinschaftsgeschöpf von Dir und Andersen aber auch sehr.
    Vielleicht erkennen die Leute es eher als Teekanne, wenn es oben einen abgesetzten Deckel hat und der Griff eventuell am Ansatz einen dieser typischen kleinen Schnörkel hat? Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf Teekanne 2.0 (allerdings wird sie vom Charme her kaum an das erste Exemplar heranreichen). Und Andersen mag ich auch sehr.

    Liebe Grüße,
    Maike

    • Mila says

      Das mit dem abgesetzten Deckel und dem Schnörkel werde ich unbedingt mal ausprobieren. Danke für die Tipps, liebe Maike!

  7. Die demütige Kanne scheint mir halsabwärts sehr nahe mit dem Homunkulus verwant zu sein. Oder war da gar Fr. Dr. Frankenstein am Werk und hat Körper und Kanne kombiniert?
    Ich finde Frau Kanne sehr gelungen, auch in ihrer Elefantenhaftigkeit. Weiß geblümt wäre allerdings wahrscheinlich wirklich eindeutiger.
    LG Jennifer

    • Mila says

      Ich glaube, Frau Dr. Frankenstein hat tatsächlich auch mal was erschaffen wollen. Das wäre ein Roman ganz für sich – Frankensteins Braut mal anders…

  8. Mir erschien es auch auf den ersten Blick eher als ein charmanter Kannen-Elefant-Hybrid, aber ich finde die Tülle jetzt schon großartig und den grauen Stoff eigentlich auch. Zu schade, dass der Kopf gleich etwas vertrautes daraus machen möchte, statt sich langsam deiner Kanne zu nähern.

    • Mila says

      Es sind aber auch seltene Geschöpfe, diese Kannen-Elefanten-Hybriden, es gelingt kaum einem Forscher, sie mal vor die Linse der Kamera zu locken…

  9. Huch…also ich hatte zunächst auch eher an einen Elefanten gedacht…aber klar…als Kanne kann man das natürlich auch deuten…ganz sicher…wenn man erst einmal RICHTIG hinschaut…LG Lotta.

    • Mila says

      Manchmal kann es gar nicht schaden, noch mal hinsehen zu müssen…

  10. Ich lege jetzt sooooofort Andersen auf meinen aktuellen Bücherstapel und werde bei Grünem Tee und Andersen jetzt wohl öfter an dich denken. Poesie an einem grauen Vormittag tut gut. Was für eine liebenswertleibhaftige Teekannen-Persönlichkeit. Also, es gibt dann aber schon ein Schaufenster-Foto, dann…? Lieben Gruß Ghislana

    • Mila says

      Es wird ein Schaufenster-Foto geben – allerdings wird es keine gestaltete Welt – sondern Werbung für Bücher bleiben…

  11. Da ich ja schon die Überschrift gelesen hatte, kam ich nicht auf Elephant. Und sie ist ja bescheiden, die Kanne. Sie weiß ja um ihre Mängel. Ich mag sie.
    Lieben Gruß und noch einen schönen Tag
    Katala

  12. Also Begabung erkenne ich auch, wo ich sie sehe.. vielleicht nicht bei mir selber.. gins verlegen.. aber ganz bestimmt bei Dir, Mila!! Deine Kanne ist entzückend.. diese stolz geschwungene Tülle ;)) Das wird ein Schaufenster.. so wunderbar.. ich hoffe, es werden sich hundertfach kleine Kindernasen plattdrücken.. denn, wo wird so fein die Märchenwelt lebendig? Ganz liebe Grüße, Nicole

    • Mila says

      Da darf ich jetzt nicht zu hoch stapeln, denn es wird keine Welt. Es bleibt diesmal ein Schaufenster, in dem ein paar (zwei) Figuren zu sehen sein werden – neben vielen Büchern…

  13. Liebe Mila,
    ich finde die Teekanne ganz märchenhaft schön!
    herzige andrellagrüße

    • Mila says

      Es muss am grauen Rüssel liegen, das ist einfach so besetzt, das Bild.

  14. Ich fühlte mich im ersten Moment nicht bei H.C. Andersen, sondern bei Alice im Wunderland, wo herumspazierende Teekannen doch bestimmt das Normalste von der Welt sind. Oder?

    Liebe Grüße
    Andrea

    • Mila says

      Absolut. Nirgendwo könnten Teekannen sonst so herumspazieren, ohne Aufmerksamkeit zu erregen.

  15. Großartig! Allein die Idee ♥
    Natürlich dachte ich auch zuerst an Elefant…hattest Du nicht sogar eine Weile ein Foto von Dir und Elefant da rechts…? Ich fühlte mich daran erinnert…
    Aber natürlich ist eine Kanne!!
    Ich dachte für einen Moment ob ich es schöner fände, wenn die Kanne nur Beine und Arme hätte, keinen Körper…aber ach, Du machst das schon, Dein nächstes Geschöpf wird bestimmt wieder ganz bezaubernd sein :-)
    Anbei noch ein Kännchen von meinem Pinterest-Board, als ich das sah wollte ich auch gleich eine Kanne nähen :-)
    Irgendwann.
    Aber nun bin ich erst mal gespannt auf Deine nächste Kanne und überhaupt, das Fenster :-)
    Frohes Schaffen wünsch ich Dir,
    viele liebe Grüße,
    Kerstin

  16. Deine Teekanne (und auch deine Prinzessin) sind ganz entzückend. Vermutlich liegt es an den Augen, dass sie für einen Elefanten gehalten wird und das, obwohl ja weit und breit keine Ohren zu sehen sind. Arme und Beine ließen mich auch an deinen Homunkuls denken. Durch das Strickjäckchen bekommt dein Püppchen gleich Leben eingehaucht. Jetzt bin ich sehr gespannt, wie deine zweite Teekanne und das fertige Bett der Prinzessin aussehen werden.
    Liebe Grüße
    Carmen

    • Mila says

      Danke, liebe Carmen. Ich muss schnell fertig werden. ich habe nur noch anderthalb Wochen…

  17. Sieht sehr lustig aus und ich möchte nicht wissen, wie Du es geschafft hast, diese dünnen Beinchen zu nähen und umzudrehen, als auch zu befüllen… Eine Elefanten-Teekanne. 😉

    Fröhlichen Gruß,
    Sara

    • Mila says

      Jaaaa, das Umwenden war so eine Sache. Hat meine Geduld extrem überstrapaziert…

  18. mit dutt, haarnadeln und der rechten portion demut. ich finde sie perfekt! lg, nikki

    • Mila says

      Und ich danke dir für deine Worte, liebe Nikki.

  19. elefant hin oder her – ich finde sie ganz reizend und charmant und ich bin sicher, herr andersen hätte seine freude daran gehabt!
    liebe grüße von mano

  20. Ich bin total begeistert und obwohl ich direkt die Teekanne gesehen habe, gerade auch den Vergelich mit einem Elefanten einfach wunderbar. Gut für die Ausstellung kann ich verstehen, dass du eine neue anfertigst, aber dennoch finde ich gerade diese besonders reizvoll. Das würde mir übrigens auch super gut gefallen für eine Buchhandlung ein Ausstellungsstück anzufertigen (beworben habe ich mich auch schon einmal). Ich bin gespannt wie deine neue Version aussehen wird. Bist du dann bei der Ausstellungseröffnung auch in Bonn???? Liebe Grüße Karin

    • Mila says

      Ob ich es zur Eröffnung schaffe, weiß ich noch nicht. Bewirb dich doch einfach noch mal, ich glaube, viele haben gar keine Vorstellung davon, was für ein Eye-Catcher etwas Selbstgemachtes im Schaufenster sein kann.

  21. Liebe Mila,

    ich bin begeistert von deiner Teekanne. Sie ist soooo schön.
    Dein Talent, solche Dinge zu erschaffen, macht mich immer wieder sprachlos.

    Schade, dass es noch eine zweite Teekanne geben wird.
    Ähnlichkeit mit Elefant hin oder her, die Kanne hat Charakter und weiß,
    von sich zu überzeugen.

    Ich habe die Kanne als Kanne erkannt
    Erst als ich das Wort Elefant gelesen habe, habe ich nochmals geschaut. Aber für mich fehlen die typischen Elefantenohren. So unterschiedlich ist der erste Eindruck.

    Liebe Grüße! Birgit

    • Mila says

      Ach, keine Sorge, der Elefant kommt trotzdem ins Schaufenster. Ich mag ja Mängel. Sie machen die Dinge für mich erst besonders – und heben schließlich jedes Selbstgemacht vom industriell gefertigten ab.
      Und was soll ich sagen, dein Lob macht mich sprachlos. DANKE!

  22. Sehr hübsch, und was für ein schöner, dezent gemusterter Stoff, so eine Teekanne hätte man doch ganz gerne auch in Echt :-) Einen lieben Gruß!

    • Mila says

      Stimmt. Als Teekannen-Junkie würde ich sie sofort nehmen!

  23. Diese Geschichte kannte ich noch gar nicht…. Komisch, dass die als Kind an mir vorbei gegangen ist. Muss ich mal nachholen.

    Deine Teekanne ist echt hübsch geworden – und im Profil auch schon jetzt recht un-elefantig. 😉

    Liebe Grüße zu dir! Und viel Erfolg beim Weiter-Ausprobieren,
    Sarah

  24. Ein wunderbarer poetischer Post, der Erinnerungen weckt!
    Liebe Frühlingsgrüße schickt
    Christine

  25. Oh Mila, was für ein toller Gedanke – eine Teekanne mit Charakter aus Stoff zu kreieren. Eine ganz wundervolle Idee! Ich habe sie tatsächlich auch für einen Elefanten gehalten. Nun bin ich schon sehr auf deine nächste gespannt.
    Einen ganz lieben Gruß von Katharina

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